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Normale Version: Fisher Endstufe - groß, stark, schwarz!
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Hallo alle,

muss mal wieder einen Reparaturbericht schreiben, weil ich das schon lange nicht mehr getan habe und weil das reparierte Gerät durchaus geeignet ist, hier mal vorgestellt zu werden.

Die hier vorgestellte Endstufe von Fisher ist in Wahrheit die schwarze Version der Sanyo Endstufe DCP-3001 von 1976. Die war jedoch silber. Sie verfügt über ein stattliches Gewicht von knapp 22kg und leistet 2 mal 150 Watt Sinus an 8 Ohm (beide Kanaäle gleichzeitig ausgesteuert). Das ist eine sehr konservative Angabe, denn sie ist mit 2 mal 800 Watt Musikleistung an 4 Ohm angeben, was ich allerdings für etwas übertrieben halte.

Dennoch mit Ihren riesengroßen VU-Metern, die vorne dran gebaut sind (also nicht eingesenkt), strahlt sie schon eine gewisse Faszination aus.

[Bild: fisherba-450014zvlm.jpg]


Mein Kunde hat sie bei ebay erworben, defekt, für traumhaft günstige 121,- Euro. Ausser der Beleuchtung ging nichts mehr. Die beiden Hauptsicherungen im Netzteil mit je 12 A schmolzen sofort beim Einschalten durch. Nach etwas messen, war klar, die rechte Endstufe hatte Kurzschluss, alle sechs TO-3-Transistoren müssen erneuert werden. Die vermutliche Ursache für den Defekt fand ich zufällig auch, nachdem ich die steckbare (!) Treiberplatine heraus nahm und mein Blick auf diese Lötstellen fiel.

[Bild: kalteltstellenqk26.jpg]

Man kann sehen, dass Basis und Kollektor des Transistors in der Luft hängen, nur der Emitter ist noch verlötet. Der Transistor an sich war jedoch nicht defekt. Ich lötete daher beide Treiberplatinen erstmal komplett nach, trennte die rechten Endstufentransistoren von der Spannung ab und versuchte erst einmal den Rest zu betreiben, was auf Anhieb gelang. Vorsichtig mit dem Trenntrafo auf 230 Volt hochgeregelt, dabei ständig die Stromaufnahme beobachtet und schon konnte ich das erlösende Klick der Schutzschaltung hören, was immer eine gewisse Freude beim Reparieren ist. Dann ging ich an die Erneuerung der Endtransistoren. Zunächst mussten jede Menge Kabel abgelötet werden, um den Kühlblock auszubauen. Das hinterließ ein größeres Loch im Gerät.

[Bild: fisherba-450001qwl3.jpg]

Dafür lag dann der ganze Block vor mir auf dem Tisch, von allen Seiten gut zugänglich. Zunächst musste er zerlegt werden, immer je zwei Transistoren auf einem Kühlkörper. Unten sind die Emitterwiderstände zu erkennen.

[Bild: fisherba-450003a1av.jpg]

TO-3-Transistoren sind aus Blech und gehören zu den stärksten Modellen am Markt. Diese hier haben bis zu 250 Watt Verlustleistung pro Transistor - daher auch die großen Kühlkörper. Sie sind nicht gelötet, sondern sitzen in einer Steckfassung, die mit zwei Schrauben den Kollektor (aussen am Gehäuse) verbindet. Man muss auf die isolierende Glimmerscheibe achten, beim Einbau.

[Bild: fisherba-450004z4mi.jpg]

Nun konnte alles wieder eingebaut werden und ein spannender Moment stand bevor: ist noch ein Fehler vorhanden oder läuft es jetzt wieder?? Ich hatte Glück, es lief wieder alles, wenn auch der frisch reparierte Kanal sehr hohen Ruchstrom zog, aber das lag wohl an den Vergleichstypen, die ich einbauen musste, denn die Originaltransistoren bekommt man nicht mehr, NEC hat die Halbleiterproduktion schon längst eingestellt. Das ließ sich aber direkt einstellen, ebenso der Offset (keine Gleichspannung am Ausgang).

[Bild: fisherba-450005k5jp.jpg]

Leider war die Wiedergabe nicht ganz sauber, wie sich beim ersten Probehören heraus stellte. Nachdem auch das Lautsprecherrelais erneuert war, zeigte sich die Endstufe aber auch klanglich wieder von Ihrer besten Seite. Nun wurde noch alles innen und aussen gereinigt, was bei einem solchen Boliden nicht ganz spaßfrei ist.

[Bild: fisherba-45000760t0.jpg]

Das Netzteil: riesig, jedes bißchen mit einem Blech abgedeckt, alles unterirdisch verdrahtet, alle Platinen gesteckt - so macht Service Spaß!

[Bild: fisherba-450010505f.jpg]

Aber auch hinten gibt es Besonderheiten: wegen der hohen Ausgangsleistung war man in Japan vorsichtig und deckte die Lautsprecherklemmen lieber ab, weil man ab einer gewissen Lautstärke die Spannung dort durchaus schon als Stromschlag empfinden könnte. Die Klemmen sind übrigens sehr stabil und langlebig als Schraubklemmen ausgeführt, kenne ich eigentlich nur von ELA-Verstärkern im Profibereich.

[Bild: fisherba-450012r5am.jpg]

Die Front hat eigentlch auch eher professionellen Charakter, wie gesagt die VU-Meter sind auf die Platte montiert. Zusätzlich findet sich hier noch ein Limiter, der die Leistung auf 50, 100 oder 150 Watt begrenzen kann, ein zweiter Eingang und noch ein Paar Lautsprecheranschlüsse - neben dem Pegelsteller und dem Subsonic-Filter. Zudem können noch die Anzeigebereiche ausgewählt werden, damit sich die Zeiger auch bei Zimmerlautstärke schon bewegen, falls gewünscht.

[Bild: fisherba-450009u1iy.jpg]

[Bild: fisherba-450008z3fp.jpg]

Das Typenschild auf der Rückseite gibt Aufschluss darüber, dass mit der Leistung hier nicht so geprahlt wird, wie das bei manch anderem Fabrikat der Fall ist: 1200 Watt Leistungsaufnahme sprechen für sich, oder?

[Bild: fisherba-450013l20l.jpg]

Ganz zum Schluss habe ich noch eine Bitte: da meine Fotoreparaturstories kürzlich in einem anderen Forum als "Bilderbuchgeschichtchen" bezeichnet wurden, interessiert mich Eure Meinung dazu nun doch wirklch. Soll ich das fortsetzen - oder lieber sein lassen? Soll ich etwas verändern oder es so lassen, wie es ist?

Bitte schreibt mir Eure ehrliche Meinung, auch wenn diese nicht positiv ist - aus Kritik kann man nur lernen!

Vielen Dank.
Drinks

Don Tobi

Armin, Deine Reparaturberichte sind absolut wertvoll.

Abfällige Kommentare kannst Du Dir als Neid der anderen ans Revers heften. Erstens können die das nicht und zweitens fallen denen auch nicht so klasse Geräte in die Hände.

Gruß


Tobi
ja, wo den? ich find sie gut, kann man immer etwas lernen - weiter so Freunde
Ich finde diese Geschichten immer sehr interessant, also weitermachen. Andernorts versucht man sich ja bereits in Nachahmung, bisher mit zweifelhaftem Erfolg. Floet

Kritik sollte man sich natürlich zu Herzen nehmen, es kommt aber auch auf die Kritiker an.

Übrigens, diese Lautsprecherklemmen werden auch bei älteren Accuphase verwendet.

Stormbringer667

Hat der silberne Sanyo-Zwilling auch diese aufgesetzten VU´s ? Das ist nämlich so ziemlich das Einzige, was mir an der Kiste nicht gefällt.Floet

Ansonsten.....schöner Bericht, Armin. Weitermachen! Freunde

Stormbringer667

Hab mir meine VU-Frage mal eben selbst beantwortet:

[Bild: sanyo03zy5c.jpg]


Da gefällt mit die schwarze doch ein bißchen besser. LOL
Hallo Armin,

deine Fotoreparaturstories sind für mich sehr wertvoll.
Bitte unbedingt weiter fortführen, finde ich sehr gut.
Tolle Bilder, tolles Gerät ....

Ich finde deine Beiträge auch sehr informativ und interessant..Hi

Und wer oder was ist das HF?
(16.09.2009, 10:10)Don Tobi schrieb: [ -> ]Abfällige Kommentare kannst Du Dir als Neid der anderen ans Revers heften. Erstens können die das nicht und zweitens fallen denen auch nicht so klasse Geräte in die Hände.

100% Zustimmung! Oldie
bitte gerne weiterführen :-)) Ich lerne viel...außerdem ist es spannend !
Gruß Michael
Weitermachen Armin !!!
weitermachen, keine Frage! Verständlich geschrieben (auch für nen Laien) und mit passenden Bildern verdeutlicht... wobei das nicht ganz ernst gemeint gewesen sein kann Troll

Ne Frage hab ich. was beseutet Verlustleistung pro Transistor?


Zitat:Zusätzlich findet sich hier noch ein Limiter, der die Leistung auf 50, 100 oder 150 Watt begrenzen kann
Zitat:wegen der hohen Ausgangsleistung war man in Japan vorsichtig und deckte die Lautsprecherklemmen lieber ab, weil man ab einer gewissen Lautstärke die Spannung dort durchaus schon als Stromschlag empfinden könnte
RespektRespektRespekt
Verlustleistung ist die Leistung, die nicht dem eigentlichen Zweck dient, in diesem Fall verstärken. Sie wird in Wärme umgewandelt.
Na, ja - so ähnlich! Man misst diese Leistung an einem (Fast-) Kurzschluss und schaut dann, wieviel Leistung der Transistor vertragen kann, bevor er durchbrennt.

Autobatterien werden ähnlich getestet, da steht dann der Kurzschlusstrom drauf (meist mehrere hundert Ampere).

Die Verlustleistung ist nur Theorie und wird im Labor ermittelt, aber wenn ein Verstärker eien gewisse Leistung bringen soll, sollte jeder Transistor mindestens die Hälfte davon (bei zwei Transistoren pro Endstufe, in der Fisher sind sechs pro Kanal!) als Verlustleistung ab können, plus ener gewissen Reserve. Deshalb habe ich es geschrieben. Die sechs Transistoren in der Fisher können insgesamt also rund 1500 Watt Verlustleistung pro Kanal, da stecken also gute Reserven drin.

Drinks
Wenn man bedenkt, dass heutzutage CPUs Verlustleistungen (TDP) von um die 150W erreichen, das auf einer Fläche, die ungefähr 3 Stecknadelköpfen entspricht bei nur 1V Kernspannung. Floet
Hallo Armin,

ich habe an deinen Reparaturstories nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Alles bestens, genau so weitermachen und vielen Dank für die Zeit, die du dafür aufwendest!Drinks
weitermachen, armin! deine berichte sind klasse, ich lese sie immer sehr gern, und als laie verstehe ich auch einigermaßen etwas. Floet
tobi hats auf den punkt gebracht, dem ist eigentlich nix mehr hinzuzufügen.
ich glaube, in den anderen foren ist das nur neid, und neid ist schließlich die höchste form der anerkennung. RaucherDrinks
will auch was sagen.







WEITER MACHEN!!!!!
Meine Meinung!!!


Genau diesen Brocken hatte ich mal, mitsamt passendem Pre. Die Geräte sind eine Augenweide, sowhl technisch wie auch optisch. Die Verarbeitung hat mir sehr gut gefallen. Ich bedauere den Verlust noch immer, aber wie heißt es so schön. Platz für Neues Dance3
Ich finde die Reperaturberichte ebenfalls sehr sehr gut.Wie schon geschrieben ,kann man dabei eine Menge lernen, denn der nächste Trödelmarkt kommt bestimmt.

Vielleicht gibts demnächst einen Kenwood KA 3300 in der Rubrik Wink3.
HI,
Armin unbedingt weiter machen.

Gruß
peter
Armin, mach genau so weiter, wie bisher. Deine Berichte sind lehrreich und gut geschrieben, dazu tolle Bilder. Was will man mehr?
Hallo Armin,

eigentlich hast du auf deine Frage schon soviel positiven Zuspruch
bekommen, daß es jetzt eigentlich auf eine weitere Antwort nicht mehr
ankommt.

Aber auch von mir: Bitte weitermachen.


Ich habe noch nie so informative Reparaturberichte gesehen, die auch
für einen Laien wie mich interessant und verständlich sind.



Gruß

Norbert
ok, ok - Ihr habt mich überzeugt! Dann mache ich halt weiter mit den Bilderbuchgeschichtchen.

Drinks
juchhu !!!
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