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Revox B 250 E Instandsetzungshinweise
#1
An alle Revox B 250 E Besitzer und die, die es interessiert. Dieses ist kein Reparaturbericht, sondern nur ein Hinweis zur Überprüfung und Instandsetzung des Verstärkers.

Das Gerät brachte mir ein Freund vorbei mit folgender Fehlerbeschreibung: Der Verstärker hat Silvester, geknallt, geraucht und gestunken. Lipsrsealed2 

Der Fehler ist relativ klar und ich möchte euch das 1356 Foto von einem defekten Knallfrosch ersparen.


[Bild: DSC03924.jpg]


Wie man sieht, sitzt der Entstörkondensator auf der linken Seite des Verstärkers auf der Trafoplatine. Diese Platine müsste man vom Trafo entfernen, um an dem Bauteil löten zu können. Erspart euch das bitte, die Platine vom Trafo zu trennen. Die Folgeschäden sind unabsehbar, da unzählige Lackdrähte vom Trafo auf die Platine gehen und mit dieser so verbunden sind, dass man sie nur unter erschwerten Umständen wieder los bekommt.

Beim Wechsel des Entstörkondensators wir der defekte Knallfrosch einfach mit einem großen Seitenschneider kaputt gekniffen. Die Platine ist durchkontaktiert. Die noch vorhandenen Drähte des alten KF mit dem Lötkolben erwärmen und nach oben herausziehen. Danach kann man die Beinchen des neuen Kondensators nach links und rechts wegbiegen und ihn quasi als SMD Bauteil auf die Platine löten. Die ganze Prozedur dauert 2 Minuten. Beim Kauf des neuen Kondensators unbedingt auf die Bauhöhe achten. Es ist dort wenig Platz. Platine, Kabel und Gehäuse sollten so gut wie möglich gereinigt werden. An den Kabeln sind in der Regel Reste vorhanden, die sich nur sehr schwer bzw. gar nicht entfernen lassen. Bei der Gelegenheit gleich den Trafo auf 240 Volt umstellen.

Dann gibt  es auf der Netzteilplatine neben dem Trafo einen silbergraublauen 47µF 10V Elko, der in der Regel auch wegen massivem Kapazitätsverlust getauscht werden muss. Er ist am oberen Rand der Platine. Diese muss man dafür nicht ausbauen. Minus ist bei dem Elko oben am Platinenrand. Siehe nachfolgendes Foto:


[Bild: DSC03925.jpg]



Soweit, sogut .... dachte ich - machte aber noch eine kurze Durchsicht durch das Gerät...

... und entdeckte eine nicht so freudige Überraschung:


[Bild: DSC03930.jpg]



Alle vier Netzteilelkos vom Typ ROE 22.000 µF 63 Volt sind ausgelaufen. Man sieht es nicht auf den ersten Blick, weil der schadhafte Bereich zum Gehäuseboden zeigt.

Die Elkos sind direkt auf der Endstufenplatine verlötet / montiert. Hier die schon entfernten Elkos:



[Bild: DSC03926.jpg]



Die originalen Elkos haben die Abmessungen 40mm Durchmesser und 80mm Bauhöhe mit einer 5-pin Montage, wie im folenden Bild zu sehen:



[Bild: DSC03933.jpg]


Es gibt mehrere Varianten der 5-pin Montage. Es muss die oben abgebildete sein. Alles andere wird Pfusch und wird nicht stabil halten, da die ganze Last des Elkos auf der Platine lastet. Es sollten auch bei der neuen Monatge unbedingt abstützende Maßnahmen mit selbstklebendem Schaumstoff getroffen werden. Weiterhin sei davor gewarnt, dass es auch 5-pin Anordnungen gibt, die im 2/3 Kreis stehen -> geht nicht!


Hier noch ein Bild über das Innenleben des Verstärkers. Die Endstufenmodule können ganz einfach von unten am Boden des Verstärkers gelöst werden. Es sind pro Modul fünf !!! Schrauben. Die fünfte Schraube hält die Platine und wird gerne übersehen. Man sollte beim Ausbau des Moduls darauf achten, dass die Platine mit der Frontplatine über einen Steckverbinder verbunden ist. Also gerade nach hinten abziehen und ohne die Kontakte zu verbiegen das Modul herausheben. Vorher noch die braunen Steckverbinder abziehen.



[Bild: DSC03931.jpg]


Es kann natürlich jeder dort einbauen, was er will. Man sollte jedoch davon absehen statt der 22.000µF 33.000µF zu verwenden. Das sind bei 4 Elkos 44.000 µF mehr. Der Trafo wird es euch nicht danken und die Gleichrichter sind mit 3-4 Ampere recht mager ausgefallen.

Also ich empfehle allen Revox B250 E Besitzern mal einen kritischen Blick in das Gerät zu werfen oder von fachkundigem Personal werfen zu lassen, bevor größeres Unheil passiert. Knallfrösche stinken lange. Die dicken Elkos stinken ebenso grausam und können noch weiter auslaufen, als hier auf den Fotos zu sehen ist.

Viel Erfolg. Keine Fortsetzung.
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Accu-Fan für diesen Beitrag:
  • mmulm
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#2
Moin,
bei den grossen Elkos habe ich den Verdacht, dass die unter der gleichen Krankheit leiden, die auch andere Elkos jener Zeit von Roederstein traf.
Das waren Elkos in einem "golden" eloxierten Alubecher, Kapazitaet nach meiner Beobachtung bis 1000µF. Die "rosteten einfach durch", der Becher hat Lochfrass. Nicht alle Kondensatoren dieser Art, aber auffallend haeufig.
Bei dem hier gezeigten Elko faellt auf, dass der Gummistopfen ok ist, Ueberdruck ist nicht erkennbar, dafuer Korrosion unter der Umhuellung. Irgendwas war damals wohl unerkannt nicht in Ordnung, sei es ein Materialfehler beim Aluminium oder beim Elektrolyten. Ich tippe da auf das Aluminium, interkristalline Korrosion durch unerwuenschte Beimengungen.

Der Ersatz fuer den Entstoerkondensator ist ein X2? Ich frage, weil ich jetzt nicht weiss, ob Wima die din dieser Form herstellt.

73
Peter

das groesste Elend bei Revox ist das Fehlen des Bestueckungsdruckes auf den Platinen. Erleichtert nicht gerade den Service, wenn man gezielt Bauteile suchen muss....
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#3
Hallo Peter,

es ist tatsächlich Lochfraß. Ich habe bei einem Elko mal den Schrumpfschlauch angeschnitten. Eine riesen Schweinerei.

Zu dem Wima: gut aufgepasst! Der ist tatsächlich nur "zur Anschauung" eingebaut, da ich noch keine Teile bestellt habe und ich den noch in der Bastelkiste hatte. Ist derzeit ein 630/400 Volt Typ. Also keine Gefahr, wird aber noch getauscht.
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#4
Es gibt auch MKP-X2 Kondensatoren von Wima im roten Gehäuse, die tragen deutlich weniger auf als die MP-Typen und dürften wegen des begrenzten Platzangebots evtl. hier sogar das Mittel der Wahl sein.
https://www.reichelt.de/funkentstoerkond...ol_3&nbc=1
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Dude für diesen Beitrag:
  • lustigerlurch
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#5
(14.01.2022, 21:02)Dude schrieb: Es gibt auch MKP-X2 Kondensatoren von Wima im roten Gehäuse, die tragen deutlich weniger auf als die MP-Typen und dürften wegen des begrenzten Platzangebots evtl. hier sogar das Mittel der Wahl sein.
https://www.reichelt.de/funkentstoerkond...ol_3&nbc=1

Exakt! Genau der ist dafür passend!
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#6
Die beiden anderen Elkos sind ganz böse ausgelaufen. Der Schrumpfschlauch war bereits durchbrochen und hat das Gerät etwas beschädigt.

Passenden Ersatz habe ich bei Reichelt hier gefunden:

https://www.reichelt.de/becher-elko-radi...os_0&nbc=1

Die Farbe ist allerdings nicht, wie dort abgebildet schwarz, sondern rot.

Der DC Offset am LS-Ausgang liegt für mein Empfinden viel zu hoch bei 30-50 mV, lässt sich aber nicht abgleichen. Lt. der Aussage eines Revox-Technikers, die ich im Netz gefunden habe, ist das wohl normal. Ich habe das aber auch nicht weiter verfolgt.
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Accu-Fan für diesen Beitrag:
  • lustigerlurch
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