06.09.2026, 15:50
Die Sachebene: Unfallfreies Posten von Beitraegen, ohne die Sachebene zu verlassen
Leute Leute ...
ich versuche es noch einmal und aus gegebenem, mehrfachen und aktuellem Anlass, diesmal als kleine Benutzeranleitung fuer etwas, das eigentlich erschreckend simpel ist: AUF DER SACHEBENE VERWEILEN.
Vorweg: Das hier ist KEIN Plaedoyer fuer Nettigkeit. Diskussionen duerfen hart sein. Standpunkte duerfen zerlegt werden. Aussagen duerfen falsch, Quark, Schwachsinn, Unsinn oder physikalisch unhaltbar sein. Man darf jemandem widersprechen, bis nur noch rauchende Truemmer seines abgestuerzten Argument-Papierfliegers auf dem Tisch liegen.
Man darf sogar RECHT haben.
Was man dafuer nicht braucht, ist eine Diskussion ueber den Menschen, der das Argument geschrieben hat. Eigentlich kinderleicht. Und trotzdem schaffen wir es mit erstaunlicher Zuverlaessigkeit, aus "Diese Aussage ist falsch." innerhalb von drei Beitraegen: "Du bist arrogant, profilneurotisch, narzisstisch, sozial inkompetent, neidisch, ahnungslos und vermutlich nur hier, weil Dich zuhause keiner ernst nimmt." zu machen.
Das kann sogar alles sein - das ist dann aber keine kontroverse Diskussion mehr.
Das ist schlicht ein Themenwechsel.
Und genau DA beginnt das Problem.
(1) Die gefaehrlichste Figur: Der selbstakklamierte Vertreter der schweigenden Mehrheit
Irgendwann taucht fast immer jemand auf, der mit der urspruenglichen Diskussion wenig oder gar nichts zu tun hatte und ploetzlich erklaert, wie hier geredet werden soll, was "wir" wollen, was "die meisten" stoert und was angeblich "soziales Verhalten" sei.
An dieser Stelle lohnt sich eine kleine Frage:
WER genau ist eigentlich "wir"?
Und noch wichtiger:
Wer hat Dich zum Sprecher gewaehlt?
Niemand?
Dann bist Du im guenstigsten Fall Sprecher Deiner selbst.
Das reicht vollkommen. Du darfst sagen:
"Mich nervt das."
"Ich finde den Ton daneben."
"Ich haette es anders formuliert."
Alles vollkommen legitim.
Was Du NICHT einfach daraus machen kannst, ist:
"So macht MAN das nicht."
"Das will HIER keiner."
"Du stoerst UNS."
"Wir wissen, was soziales Verhalten ist."
Denn in genau diesem Moment wird aus einer persoenlichen Praeferenz eine selbst ausgestellte Hausordnung.
Das ist keine Moderation.
Das ist Selbstakklamation mit imaginaerer Dienstmarke.
(2) Der elegante Themenwechsel: Vom Gegenstand zum Teilnehmer
Ein Thread ueber Smartphone-Sicherheit handelt von Smartphone-Sicherheit.
Ein Thread ueber Verstaerkerleistung handelt von Verstaerkerleistung.
Ein Thread ueber Kunststoffzahnraeder handelt von Kunststoffzahnraedern.
Und wenn jemand darin etwas Falsches schreibt, kann man die Aussage korrigieren.
Man muss dafuer NICHT wissen, warum der Betreffende so ist, ob er Anerkennung sucht, ob er ein Egoproblem hat, ob er im wirklichen Leben gluecklich ist, wie ausgepraegt seine angebliche Profilneurose ist oder was irgendein imaginaerer Psychiater wohl ueber ihn sagen wuerde.
Das alles hat mit dem Thema exakt gar nichts zu tun.
Sobald ich statt "Deine Erklaerung zur Kunststoffalterung ist falsch." schreibe "Du schreibst das nur, weil Du ein uebersteigertes Ego hast."
habe ich das Thema und die Sachebene verlassen. Vollstaendig. Ich diskutiere dann nicht mehr den Sachverhalt, sondern den Diskussionsteilnehmer. Und nein: Das wird nicht dadurch sachlich, dass ich meine Persoenlichkeitsdiagnose mit ernster Miene vortrage.
(3) Das Mandatsproblem
Noch interessanter wird es, wenn der urspruengliche Diskussionspartner ueberhaupt kein Problem hat, aber ein Dritter ploetzlich beschliesst, ihn retten zu muessen. Auch da hilft eine sehr einfache Frage: Worin besteht eigentlich Dein Mandat? Hat Dich jemand gebeten, den anderen zu verteidigen? Hat Dich der Threadersteller zum Kommunikationsbeauftragten ernannt? Hat die schweigende Mehrheit Dir heimlich eine Urkunde ueberreicht?
Oder hast Du lediglich gelesen, dass zwei Leute miteinander streiten, und spontan beschlossen: Die brauuchen mich und meine brilliante psychoanalytische Analyse vom Pufftrompeter! Natuerlich darf sich in einem oeffentlichen Forum jeder einmischen. Genau das ist schliesslich der Sinn eines Forums. Aber wer sich einmischt, sollte sich dann sinnvollerweise in die Diskussion einmischen. Also:
"Carsten liegt falsch, weil ..."
"Bassmann hat recht, weil ..."
"Armins Erklaerung laesst sich mit Quelle X belegen ..."
Das waere ein Beitrag.
"Ich finde Puffi arrogant." ist dagegen keine Beteiligung am Thema. Das ist eine Beteiligung an Puffi. Kleiner Unterschied. Grosse Wirkung.
(4) Niemand braucht "skin in the game"
Ein weiterer beliebter Irrweg: "Was qualifiziert Dich eigentlich, darueber zu reden?" Im Zeifelsfalle: Nichts. Und das ist auch nicht noetig.
Man muss keine fuenf Verstaerker besitzen, um ueber Verstaerkerleistung zu reden.
Man braucht keinen Oldtimer, um ueber Bremswege eines Oldtimers zu sprechen.
Man muss kein Android-Telefon besitzen, um etwas ueber Betriebssystem-Sicherheitsupdates zu wissen.
Man muss kein Reparaturgewerbe betreiben, um eine chemisch falsche Erklaerung ueber Kunststoffe korrigieren zu duerfen.
Ein Argument wird nicht richtiger, weil derjenige, der es vortraegt, seit 1969 HiFi-Geraete repariert.
Und es wird nicht falscher, weil derjenige, der widerspricht, nur eine Schneider Team 23 und zwei JBL Flip besitzt.
Fakten haben erstaunlicherweise keine Sozialstruktur.
2 + 2 bleibt auch dann 4, wenn es der Praktikant sagt und der Seniorchef widerspricht. Erfahrung ist wertvoll. Expertise ist wertvoll. Praxis ist wertvoll. Aber sie ist kein Adelstitel, der Aussagen gegen Ueberpruefung immunisiert. Und eine Korrektur ist keine Respektlosigkeit.
Falsch ist falsch. Immer.
(5) Kontroverse Ansichten sind keine Rechtfertigung fuer personliche Angriffe
Der vielleicht simpelste Punkt von allen:
Wenn jemand einen Standpunkt vertritt, den ich grotesk, arrogant, weltfremd, provokant oder komplett daneben finde, habe ich dadurch NICHT automatisch eine Lizenz erworben, seine Person zu bewerten.
Ich darf schreiben:
"Das ist Quark."
"Die Argumentation ist widerspruechlich."
"Die Schlussfolgerung haelt einer Pruefung nicht stand."
"Deine Wortwahl ist unnoetig scharf."
"Dieses Verhalten traegt nichts zur Diskussion bei."
Alles Diskussion.
Aber:
"Du bist ein Narzisst."
"Du hast eine Profilneurose."
"Du kannst nicht mit Menschen umgehen."
"Dir fehlt im realen Leben Anerkennung."
"Du gehoerst auf die Couch."
sind keine Gegenargumente. Nicht mal schlechte. Sie sind schlicht etwas ANDERES.
Und besonders perfide wird es, wenn nach so einem ad-hominem-Torpedo jemand vom Torpedierten auch noch fordert:
"Jetzt bleib doch mal auf der Sachebene!"
Das ist ungefaehr so, als wuerde Oma Sandoehrchen jemandem erst den Einkaufswagen ans Schienbein fahren und sich anschliessend darueber beschweren, dass er beim Huepfen-vor-Schmerz den Verkehr vor der Himbeermarmelade aufhaelt.
Das alles bedeutet uebrigens NICHT, dass man sich nicht gegenseitig auf den Sack gehen darf. Natuerlich darf man. Man darf jemanden unsympathisch finden. Man darf dessen Stil furchtbar finden. Man darf denken: "Oh nein, nicht Puffi schon wieder."
Es gibt dafuer sogar eine sensationelle technische Neuerung: Nicht antworten.
Was man hingegen nicht zwingend braucht, ist der oeffentliche Versuch, aus der eigenen Abneigung eine allgemeinverbindliche Sozialordnung zu destillieren.
(6) Und bitte keine ausgedachten Tatsachen ueber andere
Noch ein erstaunlich einfacher Grundsatz: Schreibt ueber andere nur das, was Ihr auch wirklich wisst. Nicht das, was Ihr vermutet, irgendwo einmal aufgeschnappt habt, aus drei Beitraegen herauslesen wollt oder was Euch gerade hervorragend in die eigene Geschichte passt. Denn ueber die meisten anderen Teilnehmer wisst Ihr in Wahrheit: NICHTS.
Ein paar Beitraege, vielleicht ein Profilbild, eine Signatur, ein paar technische Ansichten. Das war's. Ausbildung, Beruf, Einkommen, Vermoegen, Familienleben, Motivation, psychische Verfassung, sozialer Status oder sonstige biographische Details kennt Ihr normalerweise nicht - und wenn, ist die Chance gross, dass die Haelfte davon mindestens gelogen ist.
Trotzdem entstehen mit erstaunlicher Sicherheit Aussagen wie: "Der hat keine Ahnung", "der hat nichts", "der sucht Anerkennung", "der ist neidisch", "der kann nicht mit Menschen", "der hat eine Profilneurose" oder "der wurde als Grundschulabgaenger entlarvt".
Nein.
Wenn jemand einen anderen irgendwann einmal Grundschulabgaenger genannt hat, dann ist genau DAS die gesicherte Information: Er hat ihn Grundschulabgaenger genannt. Mehr nicht. Aus einer eigenen Beschimpfung wird durch Wiederholung keine biographische Tatsache, und aus einer Vermutung wird auch dann kein Wissen, wenn drei andere zustimmend mitnicken.
Das gilt in alle Richtungen. Wenn ich ueber einen anderen Teilnehmer nichts Sicheres weiss, dann ist die korrekte Menge an Aussagen ueber dessen Person ziemlich klein.
Im Zweifel: Null.
Das ist keine uebertriebene Vorsicht, sondern schlicht die Trennung zwischen Wissen und Erfindung. Und wer die Sachebene nicht verlassen will, sollte vielleicht damit anfangen, nicht erst ganze Persoenlichkeiten zusammenzufabulieren, bevor er ueberhaupt zum eigentlichen Thema kommt.
Denn die Sachebene verlangt also erstaunlich wenig: Rede ueber die Sache. Wenn Du ueber die Person reden moechtest, frag Dich vorher wenigstens kurz, ob Dich irgendjemand darum gebeten hat.
Und wenn die Antwort "nein" lautet, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Beitrag, den Du gerade schreiben moechtest, nicht zur Loesung des Problems beitraegt, sondern statt dessen der Anfang eines neuen Problems wird.
Gar nicht schwer ... muss man nur mal versuchen.
Leute Leute ...
ich versuche es noch einmal und aus gegebenem, mehrfachen und aktuellem Anlass, diesmal als kleine Benutzeranleitung fuer etwas, das eigentlich erschreckend simpel ist: AUF DER SACHEBENE VERWEILEN.
Vorweg: Das hier ist KEIN Plaedoyer fuer Nettigkeit. Diskussionen duerfen hart sein. Standpunkte duerfen zerlegt werden. Aussagen duerfen falsch, Quark, Schwachsinn, Unsinn oder physikalisch unhaltbar sein. Man darf jemandem widersprechen, bis nur noch rauchende Truemmer seines abgestuerzten Argument-Papierfliegers auf dem Tisch liegen.
Man darf sogar RECHT haben.
Was man dafuer nicht braucht, ist eine Diskussion ueber den Menschen, der das Argument geschrieben hat. Eigentlich kinderleicht. Und trotzdem schaffen wir es mit erstaunlicher Zuverlaessigkeit, aus "Diese Aussage ist falsch." innerhalb von drei Beitraegen: "Du bist arrogant, profilneurotisch, narzisstisch, sozial inkompetent, neidisch, ahnungslos und vermutlich nur hier, weil Dich zuhause keiner ernst nimmt." zu machen.
Das kann sogar alles sein - das ist dann aber keine kontroverse Diskussion mehr.
Das ist schlicht ein Themenwechsel.
Und genau DA beginnt das Problem.
(1) Die gefaehrlichste Figur: Der selbstakklamierte Vertreter der schweigenden Mehrheit
Irgendwann taucht fast immer jemand auf, der mit der urspruenglichen Diskussion wenig oder gar nichts zu tun hatte und ploetzlich erklaert, wie hier geredet werden soll, was "wir" wollen, was "die meisten" stoert und was angeblich "soziales Verhalten" sei.
An dieser Stelle lohnt sich eine kleine Frage:
WER genau ist eigentlich "wir"?
Und noch wichtiger:
Wer hat Dich zum Sprecher gewaehlt?
Niemand?
Dann bist Du im guenstigsten Fall Sprecher Deiner selbst.
Das reicht vollkommen. Du darfst sagen:
"Mich nervt das."
"Ich finde den Ton daneben."
"Ich haette es anders formuliert."
Alles vollkommen legitim.
Was Du NICHT einfach daraus machen kannst, ist:
"So macht MAN das nicht."
"Das will HIER keiner."
"Du stoerst UNS."
"Wir wissen, was soziales Verhalten ist."
Denn in genau diesem Moment wird aus einer persoenlichen Praeferenz eine selbst ausgestellte Hausordnung.
Das ist keine Moderation.
Das ist Selbstakklamation mit imaginaerer Dienstmarke.
(2) Der elegante Themenwechsel: Vom Gegenstand zum Teilnehmer
Ein Thread ueber Smartphone-Sicherheit handelt von Smartphone-Sicherheit.
Ein Thread ueber Verstaerkerleistung handelt von Verstaerkerleistung.
Ein Thread ueber Kunststoffzahnraeder handelt von Kunststoffzahnraedern.
Und wenn jemand darin etwas Falsches schreibt, kann man die Aussage korrigieren.
Man muss dafuer NICHT wissen, warum der Betreffende so ist, ob er Anerkennung sucht, ob er ein Egoproblem hat, ob er im wirklichen Leben gluecklich ist, wie ausgepraegt seine angebliche Profilneurose ist oder was irgendein imaginaerer Psychiater wohl ueber ihn sagen wuerde.
Das alles hat mit dem Thema exakt gar nichts zu tun.
Sobald ich statt "Deine Erklaerung zur Kunststoffalterung ist falsch." schreibe "Du schreibst das nur, weil Du ein uebersteigertes Ego hast."
habe ich das Thema und die Sachebene verlassen. Vollstaendig. Ich diskutiere dann nicht mehr den Sachverhalt, sondern den Diskussionsteilnehmer. Und nein: Das wird nicht dadurch sachlich, dass ich meine Persoenlichkeitsdiagnose mit ernster Miene vortrage.
(3) Das Mandatsproblem
Noch interessanter wird es, wenn der urspruengliche Diskussionspartner ueberhaupt kein Problem hat, aber ein Dritter ploetzlich beschliesst, ihn retten zu muessen. Auch da hilft eine sehr einfache Frage: Worin besteht eigentlich Dein Mandat? Hat Dich jemand gebeten, den anderen zu verteidigen? Hat Dich der Threadersteller zum Kommunikationsbeauftragten ernannt? Hat die schweigende Mehrheit Dir heimlich eine Urkunde ueberreicht?
Oder hast Du lediglich gelesen, dass zwei Leute miteinander streiten, und spontan beschlossen: Die brauuchen mich und meine brilliante psychoanalytische Analyse vom Pufftrompeter! Natuerlich darf sich in einem oeffentlichen Forum jeder einmischen. Genau das ist schliesslich der Sinn eines Forums. Aber wer sich einmischt, sollte sich dann sinnvollerweise in die Diskussion einmischen. Also:
"Carsten liegt falsch, weil ..."
"Bassmann hat recht, weil ..."
"Armins Erklaerung laesst sich mit Quelle X belegen ..."
Das waere ein Beitrag.
"Ich finde Puffi arrogant." ist dagegen keine Beteiligung am Thema. Das ist eine Beteiligung an Puffi. Kleiner Unterschied. Grosse Wirkung.
(4) Niemand braucht "skin in the game"
Ein weiterer beliebter Irrweg: "Was qualifiziert Dich eigentlich, darueber zu reden?" Im Zeifelsfalle: Nichts. Und das ist auch nicht noetig.
Man muss keine fuenf Verstaerker besitzen, um ueber Verstaerkerleistung zu reden.
Man braucht keinen Oldtimer, um ueber Bremswege eines Oldtimers zu sprechen.
Man muss kein Android-Telefon besitzen, um etwas ueber Betriebssystem-Sicherheitsupdates zu wissen.
Man muss kein Reparaturgewerbe betreiben, um eine chemisch falsche Erklaerung ueber Kunststoffe korrigieren zu duerfen.
Ein Argument wird nicht richtiger, weil derjenige, der es vortraegt, seit 1969 HiFi-Geraete repariert.
Und es wird nicht falscher, weil derjenige, der widerspricht, nur eine Schneider Team 23 und zwei JBL Flip besitzt.
Fakten haben erstaunlicherweise keine Sozialstruktur.
2 + 2 bleibt auch dann 4, wenn es der Praktikant sagt und der Seniorchef widerspricht. Erfahrung ist wertvoll. Expertise ist wertvoll. Praxis ist wertvoll. Aber sie ist kein Adelstitel, der Aussagen gegen Ueberpruefung immunisiert. Und eine Korrektur ist keine Respektlosigkeit.
Falsch ist falsch. Immer.
(5) Kontroverse Ansichten sind keine Rechtfertigung fuer personliche Angriffe
Der vielleicht simpelste Punkt von allen:
Wenn jemand einen Standpunkt vertritt, den ich grotesk, arrogant, weltfremd, provokant oder komplett daneben finde, habe ich dadurch NICHT automatisch eine Lizenz erworben, seine Person zu bewerten.
Ich darf schreiben:
"Das ist Quark."
"Die Argumentation ist widerspruechlich."
"Die Schlussfolgerung haelt einer Pruefung nicht stand."
"Deine Wortwahl ist unnoetig scharf."
"Dieses Verhalten traegt nichts zur Diskussion bei."
Alles Diskussion.
Aber:
"Du bist ein Narzisst."
"Du hast eine Profilneurose."
"Du kannst nicht mit Menschen umgehen."
"Dir fehlt im realen Leben Anerkennung."
"Du gehoerst auf die Couch."
sind keine Gegenargumente. Nicht mal schlechte. Sie sind schlicht etwas ANDERES.
Und besonders perfide wird es, wenn nach so einem ad-hominem-Torpedo jemand vom Torpedierten auch noch fordert:
"Jetzt bleib doch mal auf der Sachebene!"
Das ist ungefaehr so, als wuerde Oma Sandoehrchen jemandem erst den Einkaufswagen ans Schienbein fahren und sich anschliessend darueber beschweren, dass er beim Huepfen-vor-Schmerz den Verkehr vor der Himbeermarmelade aufhaelt.
Das alles bedeutet uebrigens NICHT, dass man sich nicht gegenseitig auf den Sack gehen darf. Natuerlich darf man. Man darf jemanden unsympathisch finden. Man darf dessen Stil furchtbar finden. Man darf denken: "Oh nein, nicht Puffi schon wieder."
Es gibt dafuer sogar eine sensationelle technische Neuerung: Nicht antworten.
Was man hingegen nicht zwingend braucht, ist der oeffentliche Versuch, aus der eigenen Abneigung eine allgemeinverbindliche Sozialordnung zu destillieren.
(6) Und bitte keine ausgedachten Tatsachen ueber andere
Noch ein erstaunlich einfacher Grundsatz: Schreibt ueber andere nur das, was Ihr auch wirklich wisst. Nicht das, was Ihr vermutet, irgendwo einmal aufgeschnappt habt, aus drei Beitraegen herauslesen wollt oder was Euch gerade hervorragend in die eigene Geschichte passt. Denn ueber die meisten anderen Teilnehmer wisst Ihr in Wahrheit: NICHTS.
Ein paar Beitraege, vielleicht ein Profilbild, eine Signatur, ein paar technische Ansichten. Das war's. Ausbildung, Beruf, Einkommen, Vermoegen, Familienleben, Motivation, psychische Verfassung, sozialer Status oder sonstige biographische Details kennt Ihr normalerweise nicht - und wenn, ist die Chance gross, dass die Haelfte davon mindestens gelogen ist.
Trotzdem entstehen mit erstaunlicher Sicherheit Aussagen wie: "Der hat keine Ahnung", "der hat nichts", "der sucht Anerkennung", "der ist neidisch", "der kann nicht mit Menschen", "der hat eine Profilneurose" oder "der wurde als Grundschulabgaenger entlarvt".
Nein.
Wenn jemand einen anderen irgendwann einmal Grundschulabgaenger genannt hat, dann ist genau DAS die gesicherte Information: Er hat ihn Grundschulabgaenger genannt. Mehr nicht. Aus einer eigenen Beschimpfung wird durch Wiederholung keine biographische Tatsache, und aus einer Vermutung wird auch dann kein Wissen, wenn drei andere zustimmend mitnicken.
Das gilt in alle Richtungen. Wenn ich ueber einen anderen Teilnehmer nichts Sicheres weiss, dann ist die korrekte Menge an Aussagen ueber dessen Person ziemlich klein.
Im Zweifel: Null.
Das ist keine uebertriebene Vorsicht, sondern schlicht die Trennung zwischen Wissen und Erfindung. Und wer die Sachebene nicht verlassen will, sollte vielleicht damit anfangen, nicht erst ganze Persoenlichkeiten zusammenzufabulieren, bevor er ueberhaupt zum eigentlichen Thema kommt.
Denn die Sachebene verlangt also erstaunlich wenig: Rede ueber die Sache. Wenn Du ueber die Person reden moechtest, frag Dich vorher wenigstens kurz, ob Dich irgendjemand darum gebeten hat.
Und wenn die Antwort "nein" lautet, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Beitrag, den Du gerade schreiben moechtest, nicht zur Loesung des Problems beitraegt, sondern statt dessen der Anfang eines neuen Problems wird.
Gar nicht schwer ... muss man nur mal versuchen.
Democracy Dies in Darkness



![[-]](https://old-fidelity-forum.de/images/collapse.png)

![[Bild: Probleme-losen.jpg]](https://i.postimg.cc/xjMXFN7x/Probleme-losen.jpg)
![[Bild: 3d-blackwhite-yingyang.gif]](http://bestanimations.com/Signs&Shapes/Worship/YingYang/3d-blackwhite-yingyang.gif)

pufftrompeter hat es im Eingangs Post ja verdeutlicht , dem würde ich im weiten Sinne auch zustimmen. Aber natürlich darf er dann auch nicht selber welche politischen Ansichten hier äussern. So ein Quatsch welche Coronaläugner oder oppositionellen Wähler zu verunglimpfen. Ein Blick in die RKI Akten sagt doch schon alles. Wer nicht lesen kann ist selber schuld. 
![[Bild: Fraktur-Wortcollage-uber-vernarbtem-Schlachtfeld.png]](https://i.postimg.cc/8P79p10M/Fraktur-Wortcollage-uber-vernarbtem-Schlachtfeld.png)