Old Fidelity - HiFi Klassiker Forum

Normale Version: SONY TA-1120 Amp von 1965
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Vor ein paar Tagen habe ich begonnen, diesen steinalten, aber mbMn wunderschönen Verstärker im "Labor-Look" zu reanimieren. 

Im Gerät war, wie es scheint, in 60 Jahren nie gelötet/repariert worden ! 

Vor dem ersten Einschalten wurde alles inspiziert und, soweit möglich, durchgemessen.
Ergebnis: Alle Transistoren inkl der acht Stück SD45 Endtransistoren scheinen ok.
Bei den Kapazitäten und Widerständen sieht es weniger gut aus - mehr oder weniger alle Elkos (hellgraue ELNAs) sind weitab der aufgedruckten Werte, haben gewaltige Verluste oder sind schlichtweg tot  - na ja, Bj '65 halt....

Habe ich so noch nie erlebt.
Bis auf die großen 2k und 4k uF mussten mittlerweile alle raus.

Auch die alten 1/4 und 1/2 W Rs (Kohleschicht) sind teilweise hochohmiger geworden.

Ein erstes Einschalten ergab: keine Rauchzeichen :-)

Nach ca 8 - 9 Sekunden klickt das Relais und aus den angeschlossenen Testspeakern ertönt leises Rauschen.

Alles funktioniert für's Erste - Musik (vom Cassettenrecorder) klingt über die Testquäker erträglich, Bass- und Höhenregler tun es ohne Knackgeräusche beim Umschalten, kein Schalter macht Geräusche beim Betätigen - für den Anfang nicht übel.

Ein paar Probleme gibt es jedoch:
Eine Endstufe wird nach ca 1 bis 2 Minuten ziemlich warm, die andere bleibt kühl.

Länger habe ich mich nicht getraut,  den Amp eingeschaltet zu lassen. 

In den beiden Endstufen werkelt (auf der Rückseite der Platine) eine Kombination von fünf in Reihe geschalteten "Thermo compensation" Dioden vom Typ "SV31" in Metallgehäusen, die gegen den Endstufenkühlkörper gedrückt werden.

Die mittlere der fünf Dioden bei der "heissen" Endstufe ist defekt, wie ich vorhin ermittelt habe.
Damit ist die gesamte Applikation "out of order".

Was nun ? Wo kriegt man für sowas Ersatz  ?

Kann ich testweise die eine defekte Diode weglassen und durch Durchkontaktierung mit nur 4 Dioden weitermachen ?

Wen's interessiert:  ein brauchbares SM zum TA-1120 kann man sich beim HiFi-engine runterladen.
Es gibt übrigens auch eine TA-1120 A Version (von 1968), also gut "uffbasse".

Frank
Mitte bis Ende der 1960er Jahre war sowas teuer und "State of the Art" in sehr wenigen deutschen Haushalten.

Heute hat das mit Hi-Fi nach meiner Definition aber nicht mehr viel zu tun, zumal es schwer werden wird, selbst die
eher schlechten damaligen Eigenschaften wieder zu erreichen.

Für die Vitrine, als Sammelobjekt für sehr alte Herren vielleicht eine Empfehlung wert. Wink3

Zitat:Was nun ? Wo kriegt man für sowas Ersatz

Kann man in verschiedenster Form nachbauen... Beschreibungen sollten sogar hier im Forum zu finden sein.
In der Vitrine (wo er hingehört) funktioniert er aber auch ohne Diode.

In so einem Fall würde ich einen AC127 o.Ä. aushöhlen, SMD Dioden verschalten, und mit schwarz gefärbtem 5 Minuten Epoxy darin vergießen...
Zig mal gemacht.
Sieht aus wie "echt"
Eben, deswegen steht der hier.

Was du zur Technik sagst, stimmt natürlich, aber für einen alten SONY Freund wie mich war es unmöglich, den Amp stehenzulassen.

Ich möchte ihn gerne gängig machen, mehr muss ja nicht sein.

Frank
Ich hab gestern Abend noch etwas geschmökert und herausgefunden,  dass diese ominösen Germanium Dioden von 1965 auch noch in vielen jüngeren SONY Geräten verbaut sind. 

Eine TA-3200 F würde ich jetzt nicht schlachten wollen  LOL , aber vielleicht finde ich ja eine SV31 in meinen E-Teil Kisten.

Frank
Lt. : https://www.radiomuseum.org/tubes/tube_sv31.html Ist eine SV31 Diode eine Silizium basierende Diode und somit mit einer heutigen (1N4848) austauschbar.
Da halte ich dagegen, und behaupte, dass es eine Germaniumdiode mit den typischen o,3 V VF ist.

Das sollte der TE anhand einer der Intakten Dioden schnell feststellen können.  Warum macht er das nicht?

In diesem Fall ist es wohl nur eine Einfach-Dopde, was den Ersatz eher erleichtert.

SV31 sieht so aus:
https://www.awelectronics.com/sony-str6055-sv31-diode

Und das sind die Eigenschaften:
[Bild: tkO97XJl.jpeg]

Manche haben sie durch eine   1N60 o.A  ersetzt.
Damit der  Kasten wieder grundsätzlich plärrt, könnte man da aber fast alles einlöten, denn der TE hat  anscheinend 
nur seine Finger, um die "Hitze" am KK zu messen....Oder ? 

Vorschlag:
Diode besorgen, das defekte Original mit einem Dremel aushöhlen, Diode mit Schrumpfschlauch  ins Törfchen geben, 5 Min Epoxy...
Fertig in 15 Minuten (inkl Kaffee)

Alternativ: Diode mit Schrumpfschlauch in das  zu 1/3  mit  WL-Paste gefülltes  Töpfchen stopfen, und mit 5 Min Epoxy vergießend. 

Beides wird "laufen".

Alternative 2 :  Noch ein oder zwei Wochen diskutieren und  palavern. Simulationen erstellen, und im A-Forum Wink3 nach Rat fragen Wink3
Und JA, diese zweite Alternative wird hier sehr geliebt.....Noch mehr als die alten Kästen selbst.
Thumbsup


Die könnte man  auch testen:
Würde ich hin und wieder solche Fossilien reparieren, würde ich dann 10 oder 20 bestellen.

https://www.mos-electronic-shop.de/germa...-4744.html
Ich habe zwei SV31 von SANYO gefunden !
Waren in einem ollen SONY Amp verbaut (welcher, weiß ich nicht mehr) und lagen wohl 25 Jahre in der Schublade.
Ich habe dasselbe recherchiert wie Scope, es sind Germanium Dioden lt japanischen Handbüchern.

Die Durchlassspannung liegt bei allen intakten mit Diodentester bzw Multimeter gemessenen Dioden (also 9 Stück im 1120er Amp und den beiden SANYOs) bei ziemlich genau 200mV.

_______________________________

Die Angaben des Radiomuseums sind oft fehlerhaft bzw schlichtweg falsch. 
Bei Tonbandmaschinen, wo ich mich recht gut auskenne, sind deren Angaben bzw Erkenntnisse oft ziemlicher Bullshit.
Lipsrsealed2
Frank
ich habe hier noch 48 Stück AAZ60 mit ca. 230mV aus Osteuropäischer Produktion von 1966.... unbenutzt
Ich kann jetzt hier Vollzug melden, der TA-1120 funktioniert nach dem Tausch der Thermodiode wieder ohne Malaisen.

Weiterhin habe ich in der ehedem "heissen" Endstufe noch etliche Widerstände erneuert (in der anderen ebenfalls).
Beispielsweise hatten die insgesamt 4 Stück 5,1Ohm Koppelwiderstände zwischen den Treibern und den SD-45 Endtransistoren ihren Wert verdoppelt, einer sogar verdreifacht. 
Überhaupt haben fast alle der 60 Jahre alten Kohleschicht-Rs erhöhte Werte, während die dicken "wire wound" Widerstände im Gerät alle noch perfekt sind.

Alle Transistoren und Dioden (bis auf die eine) sind noch die Originalteile.

Die Elkos waren eigentlich alle zu erneuern, lediglich die dicken Pötte im Netzteil und die beiden 2000uF Kopplel -Cs verbleiben im Gerät und haben noch gute Werte.

Das wundert mich einigermaßen, denn bei meinen  etwa 5-7 Jahre jüngeren Geräten wie TA-2000/3140/3200/4300 machen die ELNAs keine Probleme. Gab es um 1970 Fortschritte in der Fertigungstechnik ??
Bei den vielen roten Folien-Cs in der Vorstufe/Klangregelung habe ich keinen auffälligen entdeckt.

Ob es sich "lohnt", so ein altes Gerät zu erhalten ?
Ich weiß es nicht, der Arbeitsaufwand war schon enorm und ich bin erleichtert, dass letztendlich das Teil wieder löppt und mir keine Fehler passiert sind wie z.B. das Verpolen von Bauteilen oder Kurzschlüsse  durch Abrutschen mit der Meßspitze. LOL

Da es "mein" Gerät ist, war der Zeitaufwand letztlich egal und allzuviele dieser ehedem ca 1700 DM teuren Geräte (NP 1965 !) gibt es sicherlich auch nicht (mehr).

Vielen Dank für eure Hilfe, Boyz  Drinks
Frank
Zitat:Ob es sich "lohnt", so ein altes Gerät zu erhalten ?

Das kommt zu 100% darauf an, wen du das fragst. Liebhaber von alten Sachen, gibt es in allen Bereichen.
Dabei kann es durchaus mal zu Konflikten in den Erklärungsversuchen  kommen.

Ich bin von so manchem "historische" AV-Kram geradezu  fasziniert,  Masselaufwerke, PCM, Laserdisk, U-Matic usw.... Ich liebe es, mich damit hin und wieder zu beschäftigen, und sie zu warten, zu putzen, sie zu vermessen usw....

Möchte ich sie aber heute noch regelmäßig verwenden?  Ein klares NEIN in meinem Fall.  Zu schlecht, zu umständlich, zu unkomfortabel, und dazu auch noch oft viel zu teuer.

Meine Signatur beschreibt einen Bereich der Thematik schon ganz gut..... Wink3
Betrachtet man es unter dem Begriff "lifestyle" , bewerte ich es wieder anders
Das mit dem "Verwenden" ist so eine Sache.
Ich horte ja quasi diese alten HiFi-Gerätschaften und das Benutzen artet zusehends in Arbeit aus.

Beginnend beim TA-1120, besitze ich so etwas wie eine "Verstärker-Evolution" von SONY - TA-1120, 1120A, 1130, 5650, F-6B, F-70, F-444 ES.

Früher konnte ich die einfach, je nach Lust und Laune, mal austauschen und darüber Musik hören (manchmal auch genießen  LOL).

Das wird zusehends schwieriger, weil zunehmend Kontaktprobleme oder sonstige "Alterserscheinungen" auftreten, die vor 20 Jahren noch nicht auf der Tagesordnung standen.

Der olle Ur-1120 gehörte bislang jedoch nicht dazu, den hab ich vor ein paar Jahren mitgebracht und jetzt endlich einmal repariert.
Das Versagen etlicher Dutzend Bauteile wie bei ihm ist ein (hoffentlich seinem Alter geschuldeter) Extremfall.

Frank
Zitat:Der olle Ur-1120 gehörte bislang jedoch nicht dazu,

Vielleicht liegt das daran, dass du ihn bislang nicht verwendet hast?  Lol1

Zitat:Das Versagen etlicher Dutzend Bauteile wie bei ihm ist ein (hoffentlich seinem Alter geschuldeter) Extremfall.

Das alles nennt man afaik "Ikea Effekt". Dass das sogar bei Wikipedia steht, weiss ich auch noch nicht so lange.
Der Sony ist "nüchtern betrachtet" Anno 2026 kein guter Verstärker, und wenn man ihn heute technisch überprüfen würde, 
dann wäre die Enttäuschung höchstwahrscheinlich groß. 

Manchmal ist es für das eigene Wohlbefinden vorteilhaft, wenn man bestimmte Dinge gar nicht weiß.  

Kleine Anekdote:
Der Besitzer dieser (defekten) Monos beschrieb den "Klang" vor der Prüfung als "traumhaft schön"....
Und nachdem er die Ergebnisse sah, änderte sich in diesem Einzelfall auch nichts daran. 

Wir lernen:  LOL
 Auch defekter Schrott kann für emotionale Höhenflüge gut sein.....Es kommt eben auf denjenigen an, der da gerade konsumiert.  Pleasantry

https://old-fidelity-forum.de/thread-363...pid1238112
Danke für die Blumen !  LOL

Tja, da kann man nix machen.

Es kann gleich weitergehen bzw ich kann bald schon wieder einen neuen Thread aufmachen: mein einziger verbliebener TECHNICS Vollverstärker, ein SU-8099, 
macht ebenfalls Probleme.  Drinks

__________________

edit: da kann ich ja von Glück sprechen, dass ich keinen SONY Tubeamp habe.

Konkurrenten von PIONEER oder SANSUI mit Gläsern drin hatte ich schon, aber DIE waren selbst mir zu schlecht.

Frank
Ich hab noch Fragen bezüglich der zwei Leuchtanzeigen des Verstärkers.

Original stecken zwei 80 Volt (!) Birnchen à 2 Watt in den Fassungen für POWER and SAFETY.
Die sind natürlich hinüber.

POWER leuchtet üblicherweise dauerhaft, während die SAFETY Lampe erlischt, wenn das Lautsprecherrelais schaltet.

Die Spannungsversorgung kommt vom Gleichrichter, also DC.

Kann ich kleine LEDs als Ersatz nehmen ?
Was wäre zu beachten bezüglich eines Vorwiderstandes und dessen Belastbarkeit etc ?

Frank
Selbst ist der Mann.
Ich hatte für ein anderes Projekt mal fertig konfektionierte weiße 12 V LEDs mit (560 Ohm) Vorwiderstand gekauft, von denen noch etliche vorrätig sind.
Nachdem ich vorhin die erforderlichen Daten herausgefunden und im Netz "LED-Vorwiderstandsrechner" entdeckt habe, werde ich morgen mal die R-Grabbelkiste nach den passenden Teilen durchforsten.

Frank
(Gestern, 18:26)Frank62 schrieb: [ -> ]Original stecken zwei 80 Volt (!) Birnchen à 2 Watt in den Fassungen für POWER and SAFETY.

Die Birnchen hängen an an knapp 90V. Schätze das sind vom Nennwert her 100V (Japan) oder 120V (USA).

(Gestern, 18:26)Frank62 schrieb: [ -> ]POWER leuchtet üblicherweise dauerhaft, während die SAFETY Lampe erlischt, wenn das Lautsprecherrelais schaltet.

Hmm. Das gibt das Schaltbild nicht her. PL1 (Power) leuchtet dauerhaft nach Power-On und PL2 schaltet verzögert zu, also eher im Sinne von ,,Safety active".

(Gestern, 18:26)Frank62 schrieb: [ -> ]Kann ich kleine LEDs als Ersatz nehmen ?
Was wäre zu beachten bezüglich eines Vorwiderstandes und dessen Belastbarkeit etc ?

Sicher und auch Große wenn du willst.
Der große 10W-Widerstand R509 an PL1 fungiert als Vorwiderstand bei Power-On. Seine Sternstunde hat er aber bei Power-Off, wo er als Entladewiderstand für den ganz dicken Netzteilelko dient. Darum muss der unbedingt in der Schaltung bleiben, aber von dir bei der Berechnung des nötigen Vorwiderstandes für die LED berücksichtigt werden.

R510 als Vorwiderstand für PL2 kann ebenfalls drin bleiben und entsprechende Berücksichtigung finden.
Das mit den Widerlingen 509 und 510 war mir schon klar, aber was die Lampen bzw die LEDs betrifft, so waren wir beide auf dem falschen Dampfer. Ich hab grad noch mal im SM nachgesehen, dort gibt's einen sehr praktischen "Trouble Shooter".

Beide Lämpchen leuchten dauerhaft und falls nach dem Schalten des LS-Relais das grüne Safety-Lämpchen erlischt, liegt ein Fehler vor.

Ich werde berichten.

Vielen Dank für deine Expertise, Florida Boy !

Frank
Naja, Expertise ... eher Klugschnack.
Schaue ich halt immer gerne zu, wie der eine oder anderen an seinen Aufgaben wächst.

Nur mit dem Schauen ist es hier etwas schwierig Sad

Äh, müssen es wirklich LEDs sein bzw. werden?
Warum denn nicht ? Die habe ich hier und ich wüsste auch nicht, wo ich 80 Volt Birnchen mit Schraubgewinde hernehmen sollte - leider.

Natürlich ist das im Sinne einer möglichst originalgetreuen Wiederherstellung des Verstärkers eher "verwerflich" zu nennen, denn ich nehme an, darauf wolltest du hinaus ?

Also, falls jemand 80 Volt/2 Watt Glühbirnen im altertümlichen Fahrradlampen-Format rumliegen hat, immer her damit !  LOL

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edit: meine Milchmädchenrechnung von gestern Abend hat übrigens ergeben, dass ich 4k Widerlinge von ca 2 Watt Belastbarkeit benötige, eine Versorgungsspannung von 87 V DC vorausgesetzt.

Frank