11.07.2013, 18:49
Ich eröffne mal diesen Strang, um dieses Thema zu erörtern. Immer wieder stellen mir interessierte Bastler die Frage, welche Messgeräte man wirklich benötigt, um an Stereoanlagen den nötigen Service durchzuführen und vor allem, wie bedient man die richtig?
Ich fange heute mal mit dem universellsten Messgerät an, dem Oszilloskop (bitte nicht Oszillograph nennen, denn das meint nur das Bild, das man vorne betrachten kann, nicht aber das Gerät!). Vergangene Woche musste ich mir ein neues zulegen und habe tatsächlich überlegt, ob ich gleich auf ein modernes TFT-Gerät umsteige (also ohne Röhre, dafür mit einem Flachbildschirm). Also habe ich mir mal so eines ausgeliehen, um damit mal probeweise zu arbeiten. Die Wiedergabe ist sehr ruckartig im Vergleich zur Röhre (jedenfalls bei diesem Billigmodell, dass ich getestet habe und welches ich mir auch nur leisten könnte), der Vorteil liegt auf ganz anderen Gebieten...
![[Bild: Philips_PM_3207_04_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/5wqgw3ixz/Philips_PM_3207_04_14823_Niemegk.jpg)
Das Teil war es, kostet bei Reichelt so um die 300 Euro.
![[Bild: Philips_PM_3207_05_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/snzjii3zb/Philips_PM_3207_05_14823_Niemegk.jpg)
Das ist der Bildschirm. Die Vorteile liegen eindeutig darin, dass diese Geräte gleichzeitig in Zahlen die Effektivspannung und die Frequenz von periodischen Signalen im Bildschirm mit anzeigen (können). Die Nachteile liegen in der ruckartigen Abbildung der Ereignisse, da diese Geräte wie Digitalmultimeter mit so genannten Torzeiten arbeiten. Das bedeutet, dass in gewissen zeitlichen Abständen das Signal abgetastet wird, dann das Signal als Standbild dargestellt wird (und auch gespeichert werden kann), danach wird wieder abgetastet und das nächste Standbild dargestellt.
Da ist mir, vermutlich aus jahrzehnterlanger Gewohnheit, ein "gutes altes" Röhrenoszilloskop wesentlich lieber, das stellt alles in laufenden Bildern in Echtzeit dar. Ich erwarb also ein ca. 30 Jahre altes Philips PM 3207 für rund 120 Euro bei ebay, da der Verkäufer mir zusicherte, dass es nicht verbraucht ist, sondern wie neu. Mein altes Tektronix Oszilloskop (aus der low-cost-Serie von 1988) hatte nun wirklich ausgedient, denn es gab kein klares scharfes Bild mehr, zudem neigte das Teil zum Schwingen, zeigt also Dinge an, die gar nicht am Eingang anliegen - das ist etwa so, als ob ein Verstärker Eigengeräusche produziert, die man, zusätzlich zur Musik, dann im Lautsprecher hört - das will natürlich niemand. Also gekauft und gewartet, dann kam er, der Philips und hielt alles, was der Verkäufer versprochen hatte - 45 Minuten lang. Dann stank es ganz fürchterlich und das Oszilloskop war tot (wie Stecker aus der Dose gezogen)
Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, habe ich das Teil zerlegt und war erstaunt, wie sauber das Ding innen war, kein einziger Schalter oder Poti war am gammeln. Der Gestank war ein Kondensator (ihr wisst schon, die, die auch bei Dual Plattenspielern oder Yamaha-Verstärkern ganz gerne mal abbrennen) und dadurch war die Sicherung geflogen. Nun gut 10 Minuten später tat er es wieder und das bis heute!
So schaut das gute Stück aus:
![[Bild: Philips_PM_3207_02_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/gku7uxsx3/Philips_PM_3207_02_14823_Niemegk.jpg)
Hat neu damals satte 1.500,- DM gekostet, was viel war (teurer als ein vergleichbarer Hameg). Ist erstaunlich leicht (4,7 kg) weil er komplett aus Kunststoff gebaut ist. Die Röhre hingegen ist hervorragend (von Valvo) und liefert, dank der vorn eingelegten Folie, ein blaues Bild, was mir persönlich sympatischer ist, als die üblichen grünen... Zudem ergibt die dunkel gehaltene Front eine hervorragende Ablesbarkeit.
![[Bild: Philips_PM_3207_03_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/keno43a93/Philips_PM_3207_03_14823_Niemegk.jpg)
Hier wird gerade eine Sinuskurve dargestellt, man erkennt dies einerseits an der Leuchtkraft und andererseits an der Schärfe des Strichs (er muss so dünn wie möglich sein - und das auch wenn man hell stellt).
![[Bild: Philips_PM_3207_01_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/qr2tdxdbb/Philips_PM_3207_01_14823_Niemegk.jpg)
Hier bin ich mit der Kamera mal ganz dicht heran gegangen, ein wirklich spitzenmäßiges Bild für ein Osziloskop des Baujahres 1982!
Ich habe ein Service Manual und eine mehrsprachige (auch deutsch!) Bedienungsanleitung dazu erhalten - so ist das Gerät jeden Cent wert - jedenfalls für mich.
Die Daten, die dieses Gerät hat, sind eher untere Mittelklasse, aber für Audiomessungen (und nur solche mache ich schließlich damit) genügen diese Werte völlig aus. Dieses Zweikanaloszilloskop kann bis 15 MHz darstellen, wobei man beachten muss, dass diese Angaben von allen Herstellern so gemacht werden, dass es nur theoretisch richtig ist. In der Praxis stößt man bei der Darstellung von Signalen mit Frequenzen oberhalb von 1 MHz schon deutlichst an die Grenzen. Natürlich kann der Verstärker die angegeben 15 MHz sauber verabeiten und gibt sie auch unverfälscht an die Röhre weiter, die kann jedoch mit ihrem Elektronenstrahl nicht so schnell Bilder an den Leuchtschirm vorne schreiben, denn er ist an jeder Stelle nur sehr, sehr kurz. Man muss dann viel heller machen, damit man überhaupt noch etwas sieht. Übliche Oszilloskope, so wie auch dieses und mein abgelegtes Tektronix, haben nur eine Beschleunigungspannung von rund 2000V, was den Röhren doch frühe Grenzen setzt. Teure Oszilloskope haben da Spannungen von 10, 12 oder noch mehr (bis zu 20) kV aufzuweisen und liefern dann auch noch sehr klare und helle Bilder bei sehr hohen Frequenzen. Wenn man das benötigt oder Wert darauf legt, sollte man auf die Größe der Beschleunigungsspannung achten. 2kV ist normal und eben nicht viel, da ist dann schon recht früh Schluss. In meinem Arbeitsbereich sind die höchsten Frequenzen, die ich oszillografiere, so um 100 kHz (Vormagnetisierung bei Bandmaschinen und Kassettendecks). Das schafft ein Scope (ich hasse Anglizismen, hier nur zur Erklärung!) mit den "normalen" und damit erschwinglichen 2kV Beschleunigungsspannung aber immer. Schwieriger wird es bei der Darstellung von Eye-Pattern (HF) von CD-Playern, an denen sich etliches erkennen lässt, da hat selbst mein 50MHz Tektronix schon eine recht schwache Darstellung, eben, wegen der niedrigen Beschleunigungsspannung. Und dort handelt es sich um Signale in der Größenordnung um 1 MHz herum! Wer also auch so etwas erledigen möchte, geht besser gleich auf ein modernes TFT-Oszilloskop oder gibt mehr aus für eines mit höherer Beschleunigungsspannung...
Wie man die ganzen Knöpfe an dem Oszilloskop bedient und was man dann für Bilder sehen kann und was die dann bedeuten, das erkläre ich so nach und nach hier. Versprochen. Es folgen dann die anderen Messgeräte, die man auch für Hifi-Geräte benutzen kann.

Ich fange heute mal mit dem universellsten Messgerät an, dem Oszilloskop (bitte nicht Oszillograph nennen, denn das meint nur das Bild, das man vorne betrachten kann, nicht aber das Gerät!). Vergangene Woche musste ich mir ein neues zulegen und habe tatsächlich überlegt, ob ich gleich auf ein modernes TFT-Gerät umsteige (also ohne Röhre, dafür mit einem Flachbildschirm). Also habe ich mir mal so eines ausgeliehen, um damit mal probeweise zu arbeiten. Die Wiedergabe ist sehr ruckartig im Vergleich zur Röhre (jedenfalls bei diesem Billigmodell, dass ich getestet habe und welches ich mir auch nur leisten könnte), der Vorteil liegt auf ganz anderen Gebieten...
![[Bild: Philips_PM_3207_04_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/5wqgw3ixz/Philips_PM_3207_04_14823_Niemegk.jpg)
Das Teil war es, kostet bei Reichelt so um die 300 Euro.
![[Bild: Philips_PM_3207_05_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/snzjii3zb/Philips_PM_3207_05_14823_Niemegk.jpg)
Das ist der Bildschirm. Die Vorteile liegen eindeutig darin, dass diese Geräte gleichzeitig in Zahlen die Effektivspannung und die Frequenz von periodischen Signalen im Bildschirm mit anzeigen (können). Die Nachteile liegen in der ruckartigen Abbildung der Ereignisse, da diese Geräte wie Digitalmultimeter mit so genannten Torzeiten arbeiten. Das bedeutet, dass in gewissen zeitlichen Abständen das Signal abgetastet wird, dann das Signal als Standbild dargestellt wird (und auch gespeichert werden kann), danach wird wieder abgetastet und das nächste Standbild dargestellt.
Da ist mir, vermutlich aus jahrzehnterlanger Gewohnheit, ein "gutes altes" Röhrenoszilloskop wesentlich lieber, das stellt alles in laufenden Bildern in Echtzeit dar. Ich erwarb also ein ca. 30 Jahre altes Philips PM 3207 für rund 120 Euro bei ebay, da der Verkäufer mir zusicherte, dass es nicht verbraucht ist, sondern wie neu. Mein altes Tektronix Oszilloskop (aus der low-cost-Serie von 1988) hatte nun wirklich ausgedient, denn es gab kein klares scharfes Bild mehr, zudem neigte das Teil zum Schwingen, zeigt also Dinge an, die gar nicht am Eingang anliegen - das ist etwa so, als ob ein Verstärker Eigengeräusche produziert, die man, zusätzlich zur Musik, dann im Lautsprecher hört - das will natürlich niemand. Also gekauft und gewartet, dann kam er, der Philips und hielt alles, was der Verkäufer versprochen hatte - 45 Minuten lang. Dann stank es ganz fürchterlich und das Oszilloskop war tot (wie Stecker aus der Dose gezogen)

Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, habe ich das Teil zerlegt und war erstaunt, wie sauber das Ding innen war, kein einziger Schalter oder Poti war am gammeln. Der Gestank war ein Kondensator (ihr wisst schon, die, die auch bei Dual Plattenspielern oder Yamaha-Verstärkern ganz gerne mal abbrennen) und dadurch war die Sicherung geflogen. Nun gut 10 Minuten später tat er es wieder und das bis heute!

So schaut das gute Stück aus:
![[Bild: Philips_PM_3207_02_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/gku7uxsx3/Philips_PM_3207_02_14823_Niemegk.jpg)
Hat neu damals satte 1.500,- DM gekostet, was viel war (teurer als ein vergleichbarer Hameg). Ist erstaunlich leicht (4,7 kg) weil er komplett aus Kunststoff gebaut ist. Die Röhre hingegen ist hervorragend (von Valvo) und liefert, dank der vorn eingelegten Folie, ein blaues Bild, was mir persönlich sympatischer ist, als die üblichen grünen... Zudem ergibt die dunkel gehaltene Front eine hervorragende Ablesbarkeit.
![[Bild: Philips_PM_3207_03_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/keno43a93/Philips_PM_3207_03_14823_Niemegk.jpg)
Hier wird gerade eine Sinuskurve dargestellt, man erkennt dies einerseits an der Leuchtkraft und andererseits an der Schärfe des Strichs (er muss so dünn wie möglich sein - und das auch wenn man hell stellt).
![[Bild: Philips_PM_3207_01_14823_Niemegk.jpg]](http://s13.postimg.cc/qr2tdxdbb/Philips_PM_3207_01_14823_Niemegk.jpg)
Hier bin ich mit der Kamera mal ganz dicht heran gegangen, ein wirklich spitzenmäßiges Bild für ein Osziloskop des Baujahres 1982!
Ich habe ein Service Manual und eine mehrsprachige (auch deutsch!) Bedienungsanleitung dazu erhalten - so ist das Gerät jeden Cent wert - jedenfalls für mich.
Die Daten, die dieses Gerät hat, sind eher untere Mittelklasse, aber für Audiomessungen (und nur solche mache ich schließlich damit) genügen diese Werte völlig aus. Dieses Zweikanaloszilloskop kann bis 15 MHz darstellen, wobei man beachten muss, dass diese Angaben von allen Herstellern so gemacht werden, dass es nur theoretisch richtig ist. In der Praxis stößt man bei der Darstellung von Signalen mit Frequenzen oberhalb von 1 MHz schon deutlichst an die Grenzen. Natürlich kann der Verstärker die angegeben 15 MHz sauber verabeiten und gibt sie auch unverfälscht an die Röhre weiter, die kann jedoch mit ihrem Elektronenstrahl nicht so schnell Bilder an den Leuchtschirm vorne schreiben, denn er ist an jeder Stelle nur sehr, sehr kurz. Man muss dann viel heller machen, damit man überhaupt noch etwas sieht. Übliche Oszilloskope, so wie auch dieses und mein abgelegtes Tektronix, haben nur eine Beschleunigungspannung von rund 2000V, was den Röhren doch frühe Grenzen setzt. Teure Oszilloskope haben da Spannungen von 10, 12 oder noch mehr (bis zu 20) kV aufzuweisen und liefern dann auch noch sehr klare und helle Bilder bei sehr hohen Frequenzen. Wenn man das benötigt oder Wert darauf legt, sollte man auf die Größe der Beschleunigungsspannung achten. 2kV ist normal und eben nicht viel, da ist dann schon recht früh Schluss. In meinem Arbeitsbereich sind die höchsten Frequenzen, die ich oszillografiere, so um 100 kHz (Vormagnetisierung bei Bandmaschinen und Kassettendecks). Das schafft ein Scope (ich hasse Anglizismen, hier nur zur Erklärung!) mit den "normalen" und damit erschwinglichen 2kV Beschleunigungsspannung aber immer. Schwieriger wird es bei der Darstellung von Eye-Pattern (HF) von CD-Playern, an denen sich etliches erkennen lässt, da hat selbst mein 50MHz Tektronix schon eine recht schwache Darstellung, eben, wegen der niedrigen Beschleunigungsspannung. Und dort handelt es sich um Signale in der Größenordnung um 1 MHz herum! Wer also auch so etwas erledigen möchte, geht besser gleich auf ein modernes TFT-Oszilloskop oder gibt mehr aus für eines mit höherer Beschleunigungsspannung...
Wie man die ganzen Knöpfe an dem Oszilloskop bedient und was man dann für Bilder sehen kann und was die dann bedeuten, das erkläre ich so nach und nach hier. Versprochen. Es folgen dann die anderen Messgeräte, die man auch für Hifi-Geräte benutzen kann.
