(19.01.2026, 23:50)uk64 schrieb: [ -> ]Daher die Frage, welcher reale Trafo hat einen so hohe Streuinduktivität? Einen solchen Trafo müsste man doch erst mal möglichst ungünstig "wickeln".
Gruß Ulrich
Offenbar nicht so wenige...
Denn warum hätten sonst die meisten Trafonetzteile in z.B. Audioverstärkern einen Snubber, meistens ist das nur noch der Kondensator, Widerstand ist weggelassen, sekundärseitig über der Wicklung? Ohne Streuinduktivität wäre der entbehrlich. Und da ja jeder Cent gespart wird, hätten die Beancounter den sonst schon gespart.
Schon 1970 machte man das, aber damals noch nicht jeder Hersteller und überall. Heute ist es weitestgehend Standard (und ja, vermutlich selbst dann, wenn die heutigen Dioden "besser" (schneller) geworden sind als solche aus der Fertigung vor Jahrzehnten).
Beispiel: Siemens / Blaupunkt um 1970
Gegenbeispiel: Harman Kardon 1971
Übrigens in diesem gerade von mir bezeichneten Fall
https://www.diyaudio.com/community/threa...gs.428286/
Kein speziell schlecht gewickelter Trafo, keine Trickserei mit serieller Zusatzinduktivität, sondern ein Trafo der "ganz gewöhnlichen Sorte", nämlich der im Bild gezeigte.
Aber sicher auch keiner mit ausgesucht wenig Streuinduktivität.
Streuinduktivitäten von mehreren hundert µH bis über 1 mH sind gang und gäbe. Das reicht schon.
Geht aber etwas am Thema vorbei. Denn das war sinngemäss: Welchen Vorteil bringen schnelle Dioden in Brückengleichrichtern?
Das Thema hiess ja nicht: Unter welchen Randbedingungen können schnelle Dioden in Brückengleichrichtern keinen Vorteil bringen?
Inzwischen glaube ich aber, ist es klar, was ich gemeint hatte:
Sehr langsame Dioden produzieren Spikes am Trafoausgang, wenn der Trafo ein bestimmtes/grösseres Mass ( 1 mH, mehr?) Streuinduktivität hat.
Schnelle Dioden tun es nicht oder jedenfalls viel weniger. Und...es gibt andere Massnahmen, die dazu führen können, dass schnellere Dioden zu keinem Vorteil führen (z.B. Snubber).
Mehr hatte ich nicht impliziert.
Dass Dioden aus jüngerer Produktion möglicherweise schneller sind als die aus (ur)alter Produktion vor Jahrzehnten und daher evtl. die Spikes weniger stark produzieren, ist davon erstmal unabhängig, wäre eine interessante Erkenntnis.
Dass modernere Trafos geringere Streuinduktivität aufweisen (aufgrund besserer Kernschnitte, Ringkern oder Schnittbandkern haben EI-/M-Schnitt-Kern abgelöst) zeigt, dass es auch dort wirksamen Fortschritt gab. Das widerspricht aber nicht der Aussage, dass schnelle Gleichrichterdioden in Brückengleichrichtern dann günstiger sein können (wohlgemerkt "können"), wenn der Trafo störende Streuinduktivität hat und wenn nicht andere wirksame Massnahmen (ein Snubber oder wenigstens der Snubberkondensator) ausreichend dagegenwirken.
Denn darum ging es "wann sind schnelle Dioden im Gleichrichter besser, warum, was bewirken sie?"
Und die Antwort war/ist: Meist nicht, nur in speziellen Fällen, die genannt wurden.
Ich sehe nicht, warum das nun eine Aufbauschung des Themas sein soll. Es ist m.E. zum Thema genau auf den Punkt.
Die Diskussion ist ja inzwischen auf meine ursprüngliche Aussage, die anfänglich noch in Zweifel gezogen wurde, konvergiert. Jedenfalls in qualitativer Hinsicht.
In quantitativer Hinsicht gibt es noch Fragen; anders ausgedrückt - wie weit spielt das bei moderneren (meine Definition dafür ist jünger als 30 Jahre) noch eine Rolle, da vermutlich oder möglicherweise aufgrund der Fortschritte in der Produktion Gleichrichterdioden schneller geworden sein könnten und Trafos heutzutage kleinere Streuinduktivität haben und sowieso Snubber, bzw. Snubberkondensatoren sekundärseitig,schon seit ca. 1970 Stand der Technik sind?
Ich tendiere dazu, dass der Tausch von normalen Si-Brückengleichrichtern gegen schnelle Schottky-Gleichrichterbrücken in Trafonetzteilen nur in sehr wenigen Ausnahmefällen einen nachweislichen Vorteil bringen kann.
Meine LTSpice Simulationsergebnisse haben das Problem langsamer Dioden als Gleichrichter hinter einem Trafo mit Streuinduktivität zwar augenfällig verdeutlicht, aber vermutlich auch aufgrund eines schlechten 1N4004 Spice-Modells (was ich bei der Simulation aber noch nicht wusste) schlimmer erscheinen lassen als es vermutlich in den meisten Fällen tatsächlich ist - in dem Punkt will ich scope gerne zustimmen.
Trotzdem kann man nicht sagen, das Problem würde nicht existieren. Es ist nur nicht eine Sache der Dioden alleine.
Gruß
Reinhard