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JVC KD-V6 TapeDeck quietscht - Bob greift ein
#1
Wie in der Neuzugangsecke vorgestellt, gab es schon wieder eine Cassettenkurbel, welche durch unschöne Geräusche auf sich aufmerksam machte.

JVC KD-V6:
[Bild: 20210128-192716.jpg]
Hergestellt ca. Ende 1986.

Da das Gerät grundsätzlich funktionierte, habe ich es erst mal ausprobiert.

Das Display ist schon mal nicht schlecht:
[Bild: 20210128-194452.jpg]

Auf die Schnelle Bandlauf/Rolle/Welle und Köpfe gereinigt.

Opfer-Cassette rein und abgespielt: 
[Bild: 20210130-120331.jpg]


Gerät spielte normal ohne störende Laufwerkgeräusche. Nach ca. 30 Minuten hörte ich eher tieffrequentes Grummeln (also kein quietschen).
Auch nach Stop der Wiedergabe war das Geräusch zu hören.
Nach entnahme der Case kein Geräusch mehr.

Konnte somit nur der Capstanantrieb sein, da bei diesem Geräte der Capstan dreht, sobald eine Cassetten geladen wird.
Ok Gerät aus, Netzstecker gezogen und Deckel runter.

Erst mal schauen, ob und was denn so alles an Bord ist:
[Bild: 20210128-232755.jpg]

[Bild: 20210128-232805.jpg]

Das dreimotorige SingleCapstan-Laufwerk mit 3-Kopf Bestückung:
[Bild: 20210128-233100.jpg]

Eine vernünftige Schwungmasse ist auch vorhanden:
[Bild: 20210129-102113.jpg]

Eine Testcassette geladen und ein paar Vorabmessungen gemacht.

Ergebnis:
[Bild: W-FTest-KD-V6-Jan29.jpg]

Hier war ich positiv überrascht !
Ein 35-jähriges Gerät und - wenn ich nicht irre - noch mit dem ersten Flachriemen ?
Ein - mMn - unglaublich guter Gleichlauf.
Auch der TapeSpeed ist fast im Soll.

Nun wurde das Gerät weiter teilzerlegt.

Demontage der Bodenplatte:
[Bild: 20210129-104353.jpg]
Eine Service-Öffnung, wie sie größer nicht sein könnte - klasse !

Abbau der Frontplatte:
[Bild: 20210129-112430.jpg]

[Bild: 20210129-112004.jpg]

Nun konnte das Laufwerk ausgebaut werden.

Vier Schrauben und 6 Steckverbindungen später ist das Laufwerk raus:
[Bild: 20210130-101247.jpg]
Zurück bleibt die Cassettenauflage mit der Beleuchtung.

Das ausgebaute Laufwerk, Vorderseite:
[Bild: 20210129-121602.jpg]
Hier wurde ein Zahnrad-Idler für das Umspulen verbaut.

[Bild: 20210129-121623.jpg]

Rückseite:
[Bild: 20210129-121654.jpg]
Identische Motore für Bandwickel und Kopfschlitten.

Unterseite:
[Bild: 20210129-121748.jpg]

Hier kann man zwei Besonderheiten erkennen:
[Bild: 20210129-122206.jpg]
Rechts ist ein zusätzliches Flywheel/Zwischenrad. Das wurde bei Laufwerken zu dieser Zeit teilweise verbaut.
Hier erfolgt der Antrieb des rechten Bandwickels - bei Wiedergabe - nicht durch den Wickelmotor, sondern über das von der Capstanwelle angetriebene Zwischenrad.
Außerdem wurden hier separate Köpfe für Aufnahme/Wiedergabe verbaut.

Nächster Schritt, Teilzerlegung des Laufwerks.

Abbau der Klappenentriegelung.
Ist nur mit einer Schraube befestigt:
[Bild: 20210129-122034.jpg]

Drei Schrauben später ist die Halterung des Capstanmotors abgenommen: 
[Bild: 20210129-123809.jpg]

Nach Abziehen der Ölstopscheibe, kann die Schwungmasse mit Capstanwelle rausgezogen werden:
[Bild: 20210129-124002.jpg]

Nun wird der Capstanmotor von der Halterung abgeschraubt:
[Bild: 20210129-124818.jpg]

Da liegt nun der Motor und ist bereit für die Zerlegung / Revision:
[Bild: 20210129-182949.jpg]

Für heute ist hier aber erst mal Schicht im Schacht.

Fortsetzung folgt ...

Gruß, Bob.
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#2
In diesem Teil geht es hauptsächlich um die Revision des Capstanmotors.

Er ist bereits ausgebaut, von der Halterung getrennt und ist somit bereit für die Zerlegung.
Der Pulley mus entfernt werden.

Dazu nehme ich zwei Teelöffel:
[Bild: 20210129-125356.jpg]

Da bei diesem Motor ein Pulley aus Kunststoff verbaut wurde, lässt er sich leicht abdrücken.
Bei Motoren mit Messingpulley sollte man vor dem Abhebeln, dass Messing z.B. mit Lötkolben erwärmen.
Nun muss der Lagerdeckel abgehebelt werden. Hierzu nehme ich eine Schnabel- bzw. Flachzange.
Vorher wird der Deckel an der Stelle abgeklebt, um Bobs unqualifizierte Bastelspuren zu vertuschen. Floet

Sieht so aus:
[Bild: 20210201-172923.jpg]
Hier gezeigt an einem baugleichen Motor aus einem Kenwood TapeDeck.

Beim Abhebeln wird sich der Deckel mehr oder weniger aufrollen. Ist aber kein Problem. Wird einfach ggf. mit Zange, Schraubstock und Hammer gerichtet.

Nach dem Entfernen der schwarzen Geräusch/Vibrations-Dämmung, kann der eigentliche Motor aus dem Gehäuse genommen werden: 
[Bild: 20210129-125833.jpg]

Die Paltine mit der Drehzahlregelelektronik und den Anschlüssen der Bürsten bleibt an Ort und Stelle. Die Bürstenfahnen brauchen also nicht abgelötet zu werden. Auch die Stromversorgungskabel brauchen nicht abgelötet zu werden.

Hier muss nun auch das Lagerschild abgehebelt werden. Geht bei diesem Motortyp auch recht einfach, da es an zwei gegenüberliegenden Stellen Schlitze gibt, wo man einen Reifenhebel ( Hehe ) ansetzen kann.

Ich nehme hierfür entsprechend passende Schlitzbits:
[Bild: 20210201-180707.jpg]

Jetzt kann der Anker zusammen mit dem Lagerschild/Bürstenträger aus dem Motorgehäuse genommen werden.
Dazu einfach über die Motorwelle mit einem Stift (weniger als 2 mm Durchmesser) durchschieben.

Sieht dann so aus:
[Bild: 20210129-130634.jpg]

Jetzt werden vorsichtig die Bürstenarme leicht zurückgedrückt, um den Anker aus dem hinteren Lager zu ziehen.

Nun hat man die Komponenten des Capstanmotors vorliegen:
[Bild: 20210129-130850.jpg]

Nach dem Abziehen der Ölstopscheibe kann man sich den Kollektor genau anschauen, ob hier eine Reinigung nötig ist:
[Bild: 20210129-130946.jpg]
Nach meiner Erfahrung der letzten Jahrzehnte, brauchen Kollektoren fast immer eine Reinigung/Aufarbeitung.
Völlig egal, ob Elektromotore aus einem RC-Modell, Scheibenwischer oder EFH-Motore aus Kfz oder eben diese Capstan- oder Wickelmotore aus TapeDecks.

Die drei Wicklungen wurden gemessen und haben jeweils 16 Ohm Widerstand. An dieser Stelle habe ich bei anderen Capstanmotoren (z.B. bei Kenwood Decks), ungleiche Werte der Wicklungen festellen müssen. So ein Motor ist dann irreparabel und somit wird Ersatz benötigt.

Die Motorwelle wird auf Maßhaltigkeit geprüft:
[Bild: 20210129-133248.jpg]
Sollmaß ist hier 2,00 mm und die sind auch vorhanden.

Nun erfolgt das Nachölen der beiden Gleitlager mit Gleitlageröl. Anschließend wir der Motor wieder komplettiert. Nach dem Draufstecken des Pulleys, wird durch Andrehen mit den Fingern getestet, ob und wie frei die Welle dreht.

In diesem Fall drehte die Welle wesentlich leichter und länger nach, als vor der Zerlegung.

Ob und wie erfolgreich die Revision ausgeführt wurde, lässte sich über die Stromaufnahme des Motors ermitteln.
Dazu wird der Motor an mein 13,6 V Netzteil angeschlossen.

Dazwischen hängt mein Multimeter aus der Steinzeit:
[Bild: 20210129-162938.jpg]
Wie zu sehen, zieht der Motor im Leerlauf um 15 mA.
Meiner Erfahrung nach, ziehen diese Motore - wenn sie i.O. sind - bis ca. 30 mA (ohne Last --> Leerlauf).
Ist die Stromaufnahme höher, gibt es Rep.bedarf.

So habe ich den Motor ca. 30 Minuten drehen lassen. Dabei hat sich die Stromaufnahme nicht erhöht und das Motorgehäuse wurde nicht warm. Der Motor dreht kraftvoll, ruhig und sehr leise seine Runden .... Somit deutet nichts daruf hin, dass es diesem Motor nicht gut geht.

Operation gelungen - Patient tot ?
Warten wir es ab ....

Vor dem Einbau des Motors mit der Halterung wurde die Capstanwelle und die Lauffläche der Schwungmasse gereinigt.
Auch die Capstanwelle wurde vermessen und ist im Soll.
Nun wird auch hier das Capstanlager nachgeölt und dann kann die Capstanwelle wieder zurück ins Lager.

Nun werden auch gleich die Laufflächen von Capstanwelle/Zwischenradantrieb, Bandwickel und der Gummireifen des Zwischenrades gereinigt: [Bild: 20210129-195733.jpg]

Nun wird das Laufwerk wieder komplettiert. Bevor das Laufwerk wieder in das Gerät eingebaut wird, wird es povisorisch angeschlossen und vorab getestet.
Zungenschalter abgesteckt und alle Laufwerkfunktionen durchgeschaltet - läuft.

Umspulzeiten gemessen:
[Bild: 20210129-204507.jpg]
REW = 2.14 min.
FF    = 2:16 min.

Kontrolle des Bandlaufs mit Spiegelcasette:
[Bild: 20210130-090929.jpg]

Opfercase bei der Arbeit:
[Bild: 20210130-091545.jpg]

Ok, alles läuft problemlos.
Laufwerk kann somit wieder in das Gerät zurück.

Der Entmagnetisier-Klaus kam auch noch kurz ins Haus: 
[Bild: 20210130-104535.jpg]

Die Frontplatte wurde auch wieder montiert und das Laufwerk läuft weiter testweise:
[Bild: 20210130-120317.jpg]

Zwischenfazit: Das Gerät läuft bisher einwandfrei. Das Laufwerk läuft bei Wiedergabe angenehm leise.
Auch das Umspulen macht - trotz Zahnrad-Idler - keine nervenden Geräusche.

Das Gerät geht nun erst mal in den aktiven Stapel und darf den zuverlässigen Betrieb ohne Störgeräusche zeigen.

Fortsetzung folgt ....

Gruß, Bob.
[-] 21 Mitglieder sagen Danke an AnalogBob für diesen Beitrag:
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#3
Tolle Doku! Vielen Dank.
Irgendwie kam mir die Kiste vertraut vor. Stimmt ja, bevor ich mich sonifizieren hab lassen hatte ich doch auch so was in der Art im Betrieb.
Kurz überlegen muß draussen sein, in der Werkstatt vielleicht. Also mal gucken.

[Bild: DSC01750.jpg]

Ha! Sofort gefunden! Allerdings, ich sollte meine Lagerorganisation prüfen und evtl konsolidieren. Da muß ich mich jetzt doch irgendwie mal drum kümmern. Ist aber nur was mit ner 5, und nicht 6....
Do you have any idea,
what that can do to a man?
[-] 3 Mitglieder sagen Danke an Frunobulax für diesen Beitrag:
  • winix, Jörgi, HiFi1991
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#4
Da das Gerät bisher völlig problemlos Cassetten drehte (ohne ungewöhnliche Geräusche), ging es zwischenzeitlich weiter.

Nun war erst mal ein Abgleich für alles, was mit der Wiedergabe zu tun hat, angesagt.

TapeSpeed korrigiert:
[Bild: Tape-Speed-Korrektur22-Feb21-KD-V6a.jpg]

Azimuth musste nicht eingstellt werden:
[Bild: 20210223-131951.jpg]


Wiedergabe-Pegel eingestellt:
[Bild: 20210223-125634.jpg]

Nun folgte ein Besuch des Aufnahme-Systems.

Meine Referenz - wie immer - TDK SA.

Aufnahme Bereitschaft. 1 kHz Testton bis +1 dB ausgesteuert:
[Bild: 20210223-133928.jpg]

Aufnahme läuft, hier Vorband (Source): 
[Bild: 20210223-133951.jpg]

Ungeschaltet auf Hinterband (Tape):
Sorry, ich war so überrascht, dass ich kein Foto gemacht habe.
Hier gibt es offensichtlich ein Problem. Rechts fehlen 2 dB - die lassen sich anpassen.
Aber links ist kein Pegel vorhanden. Außer Rauschen Nix.

Abbruch der Testaufnahme und mein erster Gedanke war, ein nicht richtig sitzender Stecker ...
Ich schaue mir die Hauptplatine an. Bereits der zweite Stecker mit Signalleitungen, den ich mir ansah, zeigte die Ursache:
[Bild: 20210223-134727.jpg]
Jep, dass passt, denn weisses Kabel, gleich linker Kanal.

Das scheint eine offensichtlich schlechte Verlötung gewesen zu sein:
[Bild: 20210223-135212.jpg]
Normaler Weise lösen sich Kabel am Ende des Lots, bzw. brechen dort ab. Aber hier hat sich die komplette Litze gelöst.
Ich gehöre übrigens nicht zu den Spezis, die zum Steckerlösen an den Kabeln ziehen.

Ist aber nun auch egal, dass Kabel muss da wieder rangehüsert werden:
[Bild: 20210223-135547.jpg]

Stecker wieder gesteckt und weiter geht es mit der Aufnahme.

Nun war auch der linke Kanal wieder an Bord. Beidseitig fehlte nun bei Hinterband jeweils 2 dB.
Die wurden an den entsprechenden Potis korrigiert.

Das Ergebnis. Aufnahme Hinterband (Tape):
[Bild: 20210223-140633.jpg]

Wiedergabe der Aufnahme:  
[Bild: 20210223-140715.jpg]

Aufnahme und Wiedergabe ergeben nun den gleichen Pegel - so soll es sein.

Danach wurde Musik aufgenommen und über Vor-/Hinterband verglichen.
Für meine hölzernen Ohren klang es einwandfrei und ich sah mich hier nicht genötigt, am BIAS zu drehen.

Fazit: Dieser Kasten macht - mMn - einen tollen Job, egal ob Wiedergabe oder Aufnahme. Gefällt mir ! Thumbsup

Gruß, Bob.
[-] 21 Mitglieder sagen Danke an AnalogBob für diesen Beitrag:
  • charlymu, Frunobulax, Mainamp, Frank K., Akai 65, xs500, biene, Helmi, tom68, Antek36, MrScott, Gorchel, zuendi, dedefr, Casawelli, Jörgi, Hippman, voidwalking, DarknessFalls, MiDeg, feesa
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#5
Vielen Dank Bob für den tollen Bericht.

Per Zufall hab ich das identische Gerät seit letzter Woche. Bei meinem lies sich das Kassetten-Fach nur schliessen mit gleichzeitiger Betätigung des Eject-Knopfes. Leider stellte sich heraus, das das Scharnier verbröselt war. Bei der "Zerlegung" des Gerätes fiel mit dann die doch sehr windige Konstruktion des Decks auf. Sehr dünne Bleche und noch mehr Kunststoff. Schade eigentlich, denn das Gerät selbst macht tolle Aufnahmen und man spielt gerne dran rum.

Gruss
Richard


[Bild: scharnier.jpg]
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Gorchel für diesen Beitrag:
  • xs500
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