Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Projektvorstellung: Röhren Hybrid Phono Vorverstärker
#1
Hallo zusammen,

ich möchte Euch mal mein Dauerprojekt vorstellen, eine Idee die ich schon seit ca. 2 Jahren im Kopf hatte und nie verwirklichen konnte. (bis jetzt!) Weil die Schaltung ziemlich durchdacht ist möchte ich keine Schaltbilder etc. veröffentlichen, das bitte ich zu akzeptieren. 


[Bild: IMG-2276.jpg]



Ich bin ein großer Fan von Röhren, schon seit Kindesalter interessieren mich diese Bauelemente. Technik zum Anfassen, bei einigen Typen "sieht" man förmlich die Funktionsweise. Ich habe einige Geräte aus der Zeit wiederbelebt, irgendwann kam der Wunsch auf ein Röhrengerät in der HiFi Anlage zu haben. Nur was? Vorverstärker, Kopfhörerverstärker und DAC sind am meisten in Betrieb, da ich dort meine Traumkombi gefunden habe sollte sich daran auch nichts mehr ändern. Die Lösung fand sich beim stöbern in Jogis Röhrenbude: Warum keinen Phono Vorverstärker mit Röhren bauen? Für meinen dritten Plattenspieler brauche ich sowieso noch eine vernünftige Entzerr-Vorstufe.

Eine Grundschaltung ist schnell gefunden, sowas funktioniert für MM-Systeme schon gut genug:

http://www.jogis-roehrenbude.de/Verstaer...AA-Sch.jpg

2 Doppeltrioden erledigen die Verstärkung, Entzerrung in der Gegenkopplung. Das reicht gerade so, bei den Tiefen ist nicht viel Reserve für die Gegenkopplung da. Ich habe einige Dinge simuliert, (LTSpice) die Verzerrungen steigen bei solchen Schaltungen im Tiefton. Nicht das man das hört, ich habe mir trotzdem die Frage gestellt was man verbessern kann. Die Schaltung sollte Messtechnisch absolut "clean" sein, anhand der Messwerte sollte niemand sehen können das da Röhren aktiv im Signalweg liegen. Auch nicht am SNR der bei den typischen Röhren-Schaltungen gerade für MM-Abnehmer reicht. 
Was wäre denn wenn man das Signal gleich am Eingang anhebt sodass die (für Röhren) sehr rauscharme ECC83 schon mit hohen Pegeln arbeiten kann um den SNR weiter zu steigern? 
Die Idee war schnell da, ein Operationsverstärker hebt das Signal linear an, die Höhen werden Passiv entzerrt. Die ECC83 Stufe kümmert sich "nur" um die Tiefenentzerrung und wird für Röhren untypisch so heftig Gegengekoppelt das die Gesamtverstärkung dieser Stufe unter dem einer Einzelnen Triode dieser Röhre liegt. Ein Testaufbau dieser Stufe um die ECC83 zeigte Verzerrungen auf Transistor Niveau, selbst bei 20Hz < 0.05% THD+N.
Nachteil ist das an den Linearen Verstärker im Eingang extreme Anforderungen gestellt werden. Für MC muss das Signal um 50-60dB angehoben werden, die meisten OPVs bekommen dabei Probleme. Ich hatte diskrete Schaltungen simuliert, OPVs mit "Lesebrille" (zusätzliche Eingangsstufe mit 2 JFETs) aber nichts gefiel mir. Ich bin auf ein Projekt aus dem HiFi Forum aufmerksam geworden, der PlatINA. Diese besitzt einen Symmetrischen Eingang, die Idee ist die selbe wie in meinem Konzept. (nur das die Tiefenentzerrung dort ein OPV erledigt)
Der Chip auf dem die Schaltung basiert ist ein Instrumentenverstärker wie er in sehr guten mikrofon-Vorverstärkern sitzen könnte. INA103. Der schüttelt die benötigten 50-60dB Verstärkung noch relativ problemlos aus dem Ärmel. Über 2 100 ohm Widerstände gibt es einen "Ground Loop Breaker" im Eingang, das könnte den SNR ein wenig erhöhen wenn man einen aktiven MC-VV (wie meine Accuphase C-17) benutzt. Sonst macht der Instrumentenverstärker Eingang auch keinen Sinn. Eine weitere Halbleiterstufe hinter der Röhrenstufe kümmert sich um die niedrige Ausgangsimpedanz des VV. (500 Ohm) Damit steht das Konzept.

Das Gehäuse stammt von der Firma Innovative Audio, die benötigten Bohrungen sind sogar schon vorhanden. (darin wird auch eine Phono Vorstufe verkauft) Um die Mechanik wurde die Platine designt. Es handelt sich um eine 4 lagige Leiterplatte die auch die Spannungsversorgung enthält. Den Trafo habe ich mir wickeln lassen.

[Bild: IMG-2273.jpg]

Das Masse/Erdunkgskonzept ist gut durchdacht, ich habe mich für eine Durchgehende Massefläche entschieden. An den Befestigungspunkten gibt es kleine Kondensatoren die Masse mit dem Gehäuse verbinden, dadurch wirkt das Gehäuse als Schirm. 

Verwendet wurden hauptsächlich Bauteile guter Industriequalität, für den "High-End-Faktor" sind 4 Mundorf Kondensatoren in der Entzerrung. In der Röhrenstufe sind sie ausgemessen, die passive Höhenentzerrung ist abgleichbar. 

Und wie performt das Gerät, wurde das Ziel "Transistor-like" erreicht?
Ich finde schon.  Thumbsup

Genauigkeit der RIAA Entzerrung, Abweichung von der Idealkurve 0.2dB! Die Kanäle sind fast Deckungsgleich, die Röhren sind nicht selektiert. Grund ist die Gegenkopplung.


[Bild: RIAA-Genauigkeit.png]

THD+N bei 15.5mV Am Eingang, 35dB Gain:


[Bild: 15-5m-V-In-35d-B-FFT.png]

K2 80dB unter dem Signal, K3 schon 100dB unter dem Signal. Relativ heftige Netzstörungen vom Testaufbau, eine Pro-ject Phonobox DS+ im gleichen Setup zeigt ähnliches bei 50Hz. (bei höherem Rauschen!) Vielleicht fällt mir ein wie ich das besser machen kann.

Schließt man den Eingang kurz ist die Störung stark abgeschwächt. Zum Glück, ich machte mir zuerst Gedanken durch die räumliche Nähe der Netzspannung zum Eingang. Woher die Abweichung unter 50Hz kommt, keine Ahnung. Ziemlich sicher Messaufbau.


[Bild: IN-SHRT-35d-B-SNR.png]

Der letzte Schritt ist jetzt die Frontplatte, die beiden LEDs sollen durch 1mm Löcher scheinen, ganz dezent. Vom Schalter sieht man nur die Betätigungsfläche. Bin am überlegen ob mir Chrom Optik oder Hochglanz Messing (ähnliche Farbe wie meine Accu C-17) besser gefällt. Mal sehen.

Gruß,
Jan
[-] 19 Mitglieder sagen Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • X-oveR, Rheydter, Luminary, assiv8, MacMax, stephan1892, peugeot.505, Caspar67, scope, HVfanatic, havox, Geruchsneutral, Kimi, hal-9.000, Inquisition, HiFi1991, Jarvis, bikehomero, spocintosh
Zitieren
#2
Zitat:Genauigkeit der RIAA Entzerrung, Abweichung von der Idealkurve 0.2dB!


Ein "Tip" : Mit F4 legt man die Referenz bei 1KHz auf 0 dBr. Das ist besser ablesbar und sieht besser aus.
[-] 1 Mitglied sagt Danke an scope für diesen Beitrag:
  • HVfanatic
Zitieren
#3
Tolles Projekt!
Drinks
Ich nehme an, mit den DIP Schalterchen lassen sich Gain und Kapazität einstellen?
Wie sind denn da die jeweiligen Werte, die gewählt werden können?
Denker
Hey hey, my my
Rock and roll can never die (Neil Young)
Meine Musiksammlung
Caspar Hi
Zitieren
#4
Auch nicht schlecht:

Behringer PP400  Wink3  , 15 mV rein, 930 mV raus. 1x AVG:


[Bild: wwe.jpg]

Optisch ist der Behringer hingegen....mies:

https://i.imgur.com/91qo9N2.jpg
[-] 3 Mitglieder sagen Danke an scope für diesen Beitrag:
  • HVfanatic, stephan1892, Pennywise
Zitieren
#5
Zitat:Ein "Tip" : Mit F4 legt man die Referenz bei 1KHz auf 0 dBr. Das ist besser ablesbar und sieht besser aus.


Danke, das probiere ich aus! 


Zitat:Behringer PP400  [Bild: wink3.gif]  , 15 mV rein, 930 mV raus:


Damit ist die sauberer als meine Phono Box DS+.  LOL


[Bild: PB-15-5m-V-In-40d-B-FFT.png]

Aber dennoch, alles unkritisch. Hast Du einen Tipp wie man die Störung durch Netzfrequenz wegbekommen kann, Deine Messung ist da deutlich cleaner als das was ich gemessen habe? 
Ich habe mir einen umschaltbaren Abschwächer im Druckgussgehäuse gebastelt, mit <5cm Leitungen gehe ich an die Eingänge des VV. Ich hatte vermutet das das reicht, (bei der Messung betrug der Innenwiderstand 10 Ohm) möchte mir noch Cinch Kabel mit integriertem Spannungsteiler basteln, vielleicht wird das dann besser. Die Phono Box hing dann am Aufbau um zu verifizieren das die Störung nicht von meinem VV kommt, die wird per Steckernetzteil gespeist. 


Zitat:Ich nehme an, mit den DIP Schalterchen lassen sich Gain und Kapazität einstellen?

Wie sind denn da die jeweiligen Werte, die gewählt werden können?


Ja, genau dafür sind sie gedacht. Gain lässt sich zwischen 37, 42, 47, 62 und 72dB umschalten, an den Eingang jeweils 1kOhm, 100Ohm, 100pF und 100pF zuschalten. (Die Eingangskapazität beträgt ca. 100pF)

Gruß,
Jan
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • Caspar67
Zitieren
#6
Zitat: Aber dennoch, alles unkritisch. Hast Du einen Tipp wie man die Störung durch Netzfrequenz wegbekommen kann


Eventuell...

1. Generator einstellen auf : asymmetrisch floatend

2. Testweise Erdungsanschluss der zu prüfenden Phonostufe mit dem analyzer (Gnd. des BNC) mit einer Leitung verbinden. Du verwendest anscheinend ein ATS (II)

50 , 150, 250Hz usw... sollten dann deutlich geringer ausfallen.
[-] 1 Mitglied sagt Danke an scope für diesen Beitrag:
  • HVfanatic
Zitieren
#7
Danke! Nach ein wenig spielen liegt die Störung von der Netzfrequenz jetzt 80dB unter dem Signal. Die floatend Option habe ich noch nicht entdeckt, das finde ich die nächsten Tage raus. In meiner Werkstatt im Dachgeschoss ist es gerade zu heiß, da möchte man sich keine 5 Minuten aufhalten.

Interessant ist das die PhonoBox mit dem mitgelieferten Steckernetzteil weiterhin Probleme bei den 50Hz hatte. An meinem (linearen) Labornetzteil ist es deutlich besser.

Die nächsten Tage wird die Frontplatte bestellt, dann gibt es nochmal ein Update.

Gruß,
Jan
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • HVfanatic
Zitieren
#8
Zitat:
Eine Grundschaltung ist schnell gefunden, sowas funktioniert für MM-Systeme schon gut genug:

http://www.jogis-roehrenbude.de/Verstaer...AA-Sch.jpg


also, dass die funktionieren soll, möcht man gar nicht glauben, Sad2 Sad2 Bomb

lg. Hans
Zitieren
#9
Zitat:also, dass die funktionieren soll, möcht man gar nicht glauben, [Bild: sad2.gif] [Bild: sad2.gif] [Bild: bomb.gif]


Warum sollte sie das nicht?

Gruß,
Jan
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • X-oveR
Zitieren
#10
also, entweder fangen die Gleichricherbrücken an zu qualmen, oder die Siebelkos machen BUMM
[-] 1 Mitglied sagt Danke an Doppelton für diesen Beitrag:
  • Klangstrahler
Zitieren
#11
Hallo Jan,
superschönes Projekt. Thumbsup 
Multilayer für ein Einzelstück ist ja schon mal eine
Ansage.
Anno Tobak haben wir sowas nur für echte high-
tech Firmen produziert.

Was hast du denn da für Buchsen verbaut?

Drinks
Zitieren
#12
Zitat:also, entweder fangen die Gleichricherbrücken an zu qualmen, oder die Siebelkos machen BUMM


Stimmt, der Gleichrichter ist dort falsch eingezeichnet. Der Phono Teil ist (bis auf die 10kOhm am Eingang) aber ziemlich typisch für Röhrenschaltungen.


Zitat:superschönes Projekt. [Bild: thumbsup.gif] 
Multilayer für ein Einzelstück ist ja schon mal eine
Ansage.
Anno Tobak haben wir sowas nur für echte high-
tech Firmen produziert.

Was hast du denn da für Buchsen verbaut?


Danke!  Drinks

Man hätte die Schaltung auf 2 Layer bringen können, da es ein Einzelstück bleibt war mir das aber relativ egal. So konnte ich Masse und Signale sauberer führen und vorallem das Top-Layer frei von der Anodenspannung halten. (Staubschutz)
Die Buchsen sind von WBT, die waren fast teurer als die Leiterplatte. Die typischen Printbuchsen gefielen mir optisch und haptisch einfach nicht, da man die Mechanik nachher durch die Lüftungsschlitze sieht. Die Röhren sollten nicht offen sein aber dennoch sichtbar, sonst könnte man auch Halbleiter benutzen. Ihr werdet es sehen wenn die Frontplatte da ist. 

Gruß,
Jan
[-] 5 Mitglieder sagen Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • X-oveR, hal-9.000, sankenpi, assiv8, HVfanatic
Zitieren
#13
So, und jetzt warte ich noch bis jemand einen Phono-Entzerrer mit AC128 realisiert. Ich liebe das gleichmäßige und beruhigende Rauschen ....
Das hat was. So wie eine kratzende LP! Nostalgie pur!
Zitieren
#14
Les doch bitte mal den Startbeitrag von mir. Da die Röhre nicht direkt im Eingang sitzt sondern in der Tiefenetzerrung rauscht das Gerät nicht mehr als eine "Voll-Transistor" Stufe.
In der Praxis ist es aber völlig egal ob man Röhren, Operationsverstärker, 2 Transistoren oder den Behringer VV von "scope" benutzt, liegt die Nadel in der Rille war es das mit dem Rauschabstand. Alles darüber ist Entwicklerstolz oder in meinem Fall die Faszination das ne Röhre im Signalweg liegt. Wären die ECC83/12AX7 nicht so gehyped (und damit teuer) würde schon lange ein "NOS" Pärchen aus den 50er Jahren im Gerät sitzen, einfach weil mir der Gedanke gefällt das ein ~65 Jahre altes Bauteil die Entzerrung übernimmt.

Gruß,
Jan
[-] 4 Mitglieder sagen Danke an Jan_K für diesen Beitrag:
  • HVfanatic, hal-9.000, X-oveR, akguzzi
Zitieren
#15
Kratzt die Nadel in der Rille, ist´s vorbei mit Pausenstille...
[-] 2 Mitglieder sagen Danke an scope für diesen Beitrag:
  • Pennywise, dg2dbm
Zitieren
#16
(18.06.2021, 08:16)Jan_K schrieb: Les doch bitte mal den Startbeitrag von mir. Da die Röhre nicht direkt im Eingang sitzt sondern in der Tiefenetzerrung rauscht das Gerät nicht mehr als eine "Voll-Transistor" Stufe.
In der Praxis ist es aber völlig egal ob man Röhren, Operationsverstärker, 2 Transistoren oder den Behringer VV von "scope" benutzt, liegt die Nadel in der Rille war es das mit dem Rauschabstand. Alles darüber ist Entwicklerstolz oder in meinem Fall die Faszination das ne Röhre im Signalweg liegt. Wären die ECC83/12AX7 nicht so gehyped (und damit teuer) würde schon lange ein "NOS" Pärchen aus den 50er Jahren im Gerät sitzen, einfach weil mir der Gedanke gefällt das ein ~65 Jahre altes Bauteil die Entzerrung übernimmt.

Gruß,
Jan

Die messtechnische Sinnhaftigkeit eines solchen Projektes entschließt sich für mich als Realo noch immer.
Zitieren


Möglicherweise verwandte Themen…
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Diy Audio Kit - Phono Preamp "Genera" von Graham Slee Daywalker 3 43 Heute, 11:15
Letzter Beitrag: Daywalker
  ValveWizard Three Valve Phono Stage Telefunker 88 5.798 22.09.2021, 03:26
Letzter Beitrag: Telefunker
  Röhren-Phono-Verstärker mit passiver LCR-Entzerrung Banix 10 841 16.09.2021, 22:40
Letzter Beitrag: X-oveR
  Abschlußwiderstand MC-Phono mittels Y-Cinch ändern?? Baumeister 8 1.272 12.10.2020, 18:42
Letzter Beitrag: Baumeister
  Verstärkungsfaktor Phono Pre Deepthought 12 1.930 09.04.2020, 16:22
Letzter Beitrag: Silomin
  Wieviel Phono-Vorverstärker braucht man eigentlich? scope 297 38.440 08.04.2020, 19:16
Letzter Beitrag: Silomin



Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste