Musik ist für mich (und wahrscheinlich Einige hier) ein unglaublich wertvolles Gut,
DIESER tolle Beitrag bei Arte bringt das ganz gut auf den Punkt.
Lecker zubereitete Speisen schmecken in der Regel auch nicht besser, nur weil man diese anstelle vom Pappteller oder Plastiktablett mit (oder ohne) Einwegbesteck in der Mensa, zwischendurch im Büro oder am Stehtisch, sondern in angenehmer Athmosphäre von richtigem Geschirr mit richtigem Besteck zu sich nimmt, aber Letzteres macht die notwendige Einnahme von Nahrung doch wesentlich angenehmer. Meine Wenigkeit empfindet das zumindest so. Ich denke, das geht vielen Anderen auch so - und auch da werden die ein oder anderen Gourmets dabei sein, die gewisse Präferenzen auf die Beschaffenheit der Teller, des Bestecks, der Tischdecke, der Gläser etc. legen - ich gehöre dazu.
Musik hören ist für mich fast genau so lebenswichtig, aber auch da habe ich meine Vorlieben. Ich höre fast ausschliesslich von Schallplatte, weil das für mich so sein muss. Ich könnte auch Streamen oder CD's hören, das mag ich aber nicht, so toll es auch klingt, ist mir persönlich nicht authentisch genug. Ich brauche meine Plattenspieler für das entsprechende Ambiente. Vieles, was ich höre, ist ohnehin elektronisch, da ist es eigentlich Blödsinn, das erst von digital auf analog umzuwandeln und mechanisch limitiert in Plaste zu pressen, weil da geht ja schon Einiges verloren. Ist mir egal, weil ich höre
keinen wirklichen Unterschied, ausser dass es ab und an auch mal knistert, das ist auch gut so.
Extrem verhält es sich für mich beim Schellackplatten hören, das wiederum kann nur authentisch sein, wenn man es direkt hört. Unabhängig davon, dass bei der Digitalisierung früher Tonaufnahmen eher schlechte Technik zum Einsatz kam, würde ich Einiges von dem Kram, den ich hier rumstehen habe, sonst eher überhaupt nicht hören (...hatte ich in einem anderen Fred schonmal beschrieben glaube ich...), das geht ausschliesslich von Schellack, teilweise mit Gänsehaut.
Wenn ich mich dann so entspannt im Sessel rumfläze, kann es schonmal passieren, dass ich zu der festen Überzeugung komme, dass es besser wäre, evtl. die Tonarmverkabelung mal zu erneuern, irgendwelche dämlichen Lager vom an sich ausreichend konstruierten Tonarm gegen solche aus Bronze auszutauschen oder das System an ein Headshell aus Titan oder Wallnuss zu basteln oder was weiss ich für'n sinnlosen Kram - das mache ich dann weil ich's kann ( technisch sinnvoll ist das nicht, das wurde hier schon elfundzwölfzigmal erörtert) und freue mich hinterher, weil mir das ein gutes Gefühl gibt. Warum geben manche Frauen kleine Vermögen für falsche Fingernägel aus ? Weil sie der Meinung sind, das es gut aussieht (liegt wie bei Hifi-BlingBling im Auge des Betrachters...).
Der selbe Grund, warum jemand einen Oldtimer fährt. Da gibt es praktisch keinen wirklich rationalen Grund für. Stinkt, klappert, umständlich, teuer usw. Trotzdem gibt es genügend Leute, die lieber zu Fuss gehen, als in ein "modernes" Auto zu steigen, erstaunliche Geldbeträge aufbringen und Preise von morgen für Technik von gestern bezahlen, um mit dem alten Kram tagtäglich rumzufahren. Auch das hat seine Legitimation, auch wenn es technisch, ökologisch und ökonomisch völlig überholt ist.
Wenn ich hier im Forum unterwegs bin und mir die Geraffelbilder ankucke, die Stories lese, wie das ein oder andere Gerät repariert/restauriert wurde, dann weiss ich, dass es hier im OFF die Wenigsten übertreiben. Klar gibt mancher mehr Geld für "nutzlosen" Kram als manch Anderer aus, aber von den "armdicke Kabel auf Klötzchen-Legern" und "Labor-Netzkabel-Fetischisten" gibts doch hier echt sehr wenige. Ich habe im OFF zumindest den Eindruck, dass die Meisten hier Vintage Hifi "nur" als Hobby betreiben und nicht zur Religion machen (...aber es gibt auch solche, trotzdem gut so, muss es auch geben).
Ich finde diesen Thread unglaublich spannend - danke an den TE
